Musterbeispiel britischer Diplomatie

Die Benimmregeln amerikanischer Cowboys sind in der internationalen Diplomatie verpönt. Wer mit typisch britischen Gepflogenheiten und typisch britischem Gepäck nicht vertraut ist, der mag hingegen Klischees der Anstandsregeln britischer Edelmänner als ideale Blaupause der internatonal für Diplomaten geltenden Verhaltensnormen ansehen. Das wäre allerdings ein Irrtum.

Nachdem der US-Amerikaner Raymond Davis der Welt vor ein paar Wochen in Pakistan die amerikanische Interpretation von Diplomatie erläutert hat, wollten die Briten nun nicht hintenanstehen und entsandten einen Diplomaten nebst diplomatischer Begleitung nach Libyen, um der Welt nochmal deutlich zu machen, was die Briten unter Diplomatie verstehen.

Der britische Außenminister William Hague erkärte Medienberichten zufolge am gestrigen Sonntag, er habe ein „kleines diplomatisches Team“ nach Bengasi in Libyen entsandt, um Kontakt mit „der Opposition“ aufzunehmen. Das kleine diplomatische Team sei dabei jedoch auf „Schwierigkeiten“ gestoßen und deshalb mit dem in Bengasi vor Anker liegenden britischen Marineschiff „Cumberland“ schon am Sonntag Abend wieder abgereist. Was könnte das kleine britische Diplomatenteam bloß falsch gemacht haben?

Wie jedem Journalisten in Bengasi bekannt, ist die Zentrale der Oppositionskräfte in Bengasi das direkt am Meer gelegene Gerichtsgebäude, welches durch das riesige außen angebrachte Plakat mit der englischsprachigen Aufschrift „keine ausländische Intervention“ für jedermann leicht erkennbar ist. Die Opposition darin zu finden, um Kontakt aufzunehmen, ist bislang wirklich jedem der zahlreichen Reporter gelungen, denn oft genug gibt die Opposition dort für jederman zugängliche Pressekonferenzen, die zum Teil sogar live im Internet übertragen werden.

Das kleine britische Diplomatenteam hatte sich nun gedacht, es sei eine schlechte Idee, seine Ankunft vorher anzukündigen, da sich Menschen in Großbritannien über überraschenden Besuch von Freunden regelmäßig besonders freuen und deshalb vorab jeden Hinweis auf die Entsendung der Diplomaten unterlassen, geschweige denn ein Visum beantragt. Um die freudige Überraschung perfekt zu machen, benutzte das kleine diplomatische Team zur Einreise nicht das am Sonntag Abend zur Ausreise aus Bengasi benutzte britische Millitärschiff, sondern einen Hubschrauber, der das kleine diplomatische Team leicht südwestlich von Bengasi absetzte. Um Bewohner des Gastlandes nicht durch den seit Jahrzeiten eher ungewohnten Anblick von Briten zu verstören, erfolgte die Einreise des kleinen dipomatischen Teams selbstverständich selbstlos zur Nachtzeit.

Ausgewählt wurden die Mitglieder des kleinen diplomatischen Teams natürlich nach seiner diplomatischen Qualifikation: ein Diplomat, der im Nebenjob Offizier des Auslandsgeheimdienstes MI6 ist, wurde begleitet von sieben Soldaten der britischen SAS-Spezialeinheiten. Gekleidet war das kleine diplomatische Team in typisch britischer Diplomatenkleidung, also ganz in Schwarz.

Bei den Ausweispapieren hatten die Diplomaten gut vorgesorgt. Für den Fall, dass ihre Ausweise verloren gehen sollten, hatten die Diplomaten gleich verschiedene Ausweise dabei, so dass, falls mal ein Ausweis verloren ginge, immer noch genügend Ausweise da waren, um sich auszuweisen. Als Dipomatengepäck führte das kleine britische Diplomatenteam für die diplomatische Tätigkeit benötigte Gegenstände sowie einige persönliche Dinge mit sich, also zum Beispiel Waffen, Sprengstoff, Computer, Kommuniaktions- und Abhörausrüstung.

Von ihrem Landepatz in der Wüste aus waren es zu Fuß nur rund 50 km bis Bengasi und bei dem kleinen Spaziergang wollte sich das kleine britische Diplomatenteam vor ihrer Kontaktaufnahme mit der Opposition schon einmal etwas an das milde Klima des Gastlandes gewöhnen. Zu dem Spaziergang kam es jedoch nicht. Einheimische, die sie bei der nächtlichen Einreise nach Libyen beobachteten, haben das kleine britische Dipomatenteam in sichereren Gewahrsam genommen und bequem zum Quartier der Opposition in Bengasi gefahren. Nach einem Telefonat der Opposition mit dem britischen Botschafter in Tripolis, dass zur Dokumentation der erfolgreichen Kontaktaufnahme mit der Opposition im staatlichen libyschen Fernsehen veröffentlicht wurde, ist das kleine diplomatische Team dann umgehend mit dem in Bengasi vor Anker liegenden britischen Kriegsschiff wieder aus Libyen ausgereist.

So sieht sie aus, die real existierende britische Diplomatie. Trotz der erfolgreichen Kontaktaufnahme mit der Opposition meint die britische Presse nun, bei der dipomatischen Mission sei etwas schiefgegangen und die nicht standesgemäß per Hubschrauber erfolgte Ausreise des kleinen diplomatischen Teams sei für Großbritannien erniedrigend. Dabei war die diplomatische Mission für die Aufständischen in Bengasi ungemein wertvoll. Die wichtige Botschaft, dass britische Freundschaft aus nichts anderem als Verrat, Terror und schmutzigem Krieg besteht, hätte „das kleine diplomatische Team“ kaum deutlicher kommunizieren können.

Glücklicherweise folgt die internationale Diplomatie zivilisierter Länder weder den Benimmregeln amerikanischer Cowboys noch dem typisch britischen Verhalten von diplomatischen Gesandten, sondern der Wiener Konvention.

5 Gedanken zu “Musterbeispiel britischer Diplomatie

  1. Sach‘ ma‘ …
    Haben sich diese DDOS-Dödel nun auch noch WordPress vorgenommen?!?

    „…politischer Angriff auf ein einzelnes, nicht englisch-sprachiges Blog“
    das würde doch so weit passen. Allerdings: der technische Aufwand um WordPress lahmzulegen ist sicher sehr groß, da muss jemand schon sehr mächtige und reiche Gegner haben…

    DDoS-Attacke legte WordPress.com lahm

    Der Angriff führte dazu, dass viele gehostete Blogs nicht erreichbar waren. Als Motiv wird ein politischer Angriff auf ein einzelnes, nicht englisch-sprachiges Blog vermutet.

    http://www.heise.de/security/meldung/DDoS-Attacke-legte-Wordpress-com-lahm-1202072.html/from/nl_sec_summ

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