USA und Westen bankrott in Bahrain

In den letzten Tagen ist anlässlich des von den USA unterstützten Ersetzens eines frankophonen Diktators in Tunesien durch amerikanische Marionetten und des Austausches eines Israel ergebenen Diktators durch eine pro-amerikanische Militärjunta in Ägypten in Teilen der Öffentlichkeit das Missverständnis entstanden, die USA würden sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. In Bahrain zeigt sich nun – wieder einmal, dass die USA sich für Menschenrechte und Demokratie nur dann interessieren, wenn die USA das für ihren skrupellosen Kampf um die alleinige Weltherrschaft als nützlich erachten.

Bahrain ist ein kleiner ölverwöhnter Inselstaat im persischen Golf vor der Küste von Saudi Arabien. In Bahrain herrscht der sunnitische Diktator Hamad ibn Isa Al Khalifa mit Hilfe Heerscharen von ausländischen Hilfskräften über die schiitische Bevölkerungsmehrheit. Modern und wirtschaftsfreundlich gibt sich der Diktator. Alkohol und Formel 1 sind so zu Markenzeichen von Bahrain geworden.

Der Diktator ist sogar so aufgeschlossen, dass Bahrainer beratende Gremien wählen dürfen. Damit der Diktator und seine Handlanger nicht durch Wahlen ihr Gesicht verlieren, sorgt der Diktator mit seiner Polizei aber selbstverständlich dafür, dass aussichtsreiche Kandidaten, die dem Diktator nicht freundlich gesinnt sind, von den Wahllisten möglichst diskret gestrichen werden. Wer es dennoch wagt, sich kritisch in die Politik einzumischen oder gar Kritik am Diktator äußert, der muss damit rechnen, eingesperrt und gefoltert zu werden. Folter gehört in Bahrain genauso zum Alltag wie das Öl und die schicken Autos der Handlanger des Diktators.

Es versteht sich von selbst, dass diese mittelalterliche Folterdiktatur von den USA als ihr bevorzugter Partner in ihrem weltweiten Kampf für die Menschenrechte ausgewählt wurde. Seit Jahrzehnten unterhält die US-Marine in Bahrain ihren wichtigsten Flottenstutzpunkt in der Ölregion, hilft Diktator Al Khalifa couragiert dabei die Bevölkerung zu unterdrücken und beschützt den Diktator davor, dass sich der Virus der Demokratie vom Iran her auf die arabische Halbinsel ausbreitet und auch Bahrain ansteckt. Diktator Al Khalifa findet deshalb de USA ganz prima und setzt alles daran, gerade im Bereich der Sicherheit vor der Demokratie möglichst tiefkriechende Beziehungen zu den USA auf allen Ebenen zu haben.

Kräfte des bahrainischen Diktators hatten in den vergangenen Tagen bereits zwei friedliche Menschen durch Schüsse mit Schrot-Munition aus Jagdgewehren ermordet. Ein Mesch wurde bei einer Kundgebung für die Einführung von Demokratie ermordet und ein weiterer Mensch wurde bei der Beerdigung des Ermordeten ermordet. Diktator Al Khalifa entschuldigte sich bei den Demonstranten und versprach aufzukären, wie es zu dem ungenehmigten Einsatz der Jagdwaffen gekommen sei. Die Protestierenden haben darauf beschlossen, nach dem Vorbild der ägyptischen Demoratie-Aktivisten auf dem zentralen Lulu-Platz in Bahrain zu campieren.

In der letzten Nacht haben Sicherheitskräfte des Diktator Al Khalifa, die durch Soldaten des benachbarten saudischen Diktators Abdullah bin Abdul-Aziz verstärkt worden waren, dort nächtigende Demokratie-Aktivisten im Schlaf überfallen und reihenweise massakriert. Der Gesundheitsminister des Diktators Al Khalifa hat Rettungssanitätern befohlen, fernzubleiben, damit Verletzte nicht medizinisch versorgt werden. Dass Verletzte trotzdem versorgt wurden, liegt daran, dass sich einige couragierte Ärzte über das Verbot kurzerhand hinweggesetzt haben und selbst Rettungswagen zu den Verletzten gefahren haben.
 


 

 
Nach derzeitigem Stand wurden beim Räumen des Lulu-Platzes mindestens drei Menschen von „Sicherheitskräften“ ermordet und 195 weitere verletzt, einige davon so schwer, dass mit weiteren Todesfällen zu rechnen ist. Damit sich friedliche Dmeonstrationen gegen die Diktatur nicht wiederholen, lässt der Diktator nun Panzer in den Straßen patroulieren.

Bemerkenswert ist nun die Reaktion der USA. Da das Regime von Bahrain in Sicherheitsfragen nahezu komplett von den USA abhängig ist, könnten die USA nahezu beliebig viel Druck auf Diktator Al Khalifa ausüben. Während die USA sich nach dem Massaker in Ägypten öffentlich schockiert zeigten, vom ägyptischen Diktator Mubarak Änderungen und zwar „sofort“ forderten, denken die USA überhaupt nicht daran, die bahrainischen Aktivisten für Demokratie und Menschenrechte zu unterstützen. Aus Washington kamen lediglich laue Statements, die beide Seiten, die Diktatur und ihre Opfer, zur Zurückhaltung aufforderten und erklärten, die USA seien besorgt. Dabei wurde nicht einmal deutlich, ob die USA besorgt sind über die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen des Diktators, oder ob die USA besorgt sind, sie könnten ihren Marinestützpunkt in Bahrain verlieren, wenn dort Demokratie eingeführt werden sollte. Andere mit Bahrain eng verbündete westliche Länder und ihre Propaganda-Institutionen brachten vor allem ihre Sorge zum Ausdruck, dass das Formel 1 Rennen in Bahrain in diesem Jahr möglicherweise „wegen der Unruhen“ abgesagt wird.

Was die Welt am Beispiel von Bahrain miterlebt, ist der totale moralische Bankrott der USA und des Westens. Dies passiert nun nicht einmal eine Woche nachdem es in Ägypten so aussah, als könnten die USA etwas gewinnen, was sie seit den ebenso verlogenen wie massenmörderischen Angriffskriegen von George W. Bush kompett verloren haben: so etwas wie Ansehen und Würde in der Weltgemeinschaft durch eine positiv wahrgenommene Rolle als Verteidiger von Menschenrechten.