#Jan25 Aufstand in Ägypten geht weiter

Der am Dienstag #Jan25 begonnene Aufstand gegen Dikator Mubarak in Ägypten ging auch am gestrigen Mittwoch in verschiendenen ägyptischen Städten weiter. Schwerpunkt des Aufstandes war gestern die Stadt Suez.

Inzwischen sind bei dem Aufstand offenbar sechs Menschen ums Leben gekommen, vier Protestierende und zwei Polizisten.

Während der israelische Politiker Binyamin Ben-Eliezer erklärte, alles was Israel tun könne, sei Mubarak öffentlich zu unterstützen, hat die US-Regierung gestern öffentlich und mit deutlichen Worten erklärt, die Forderung der Demonstranten nach Reformen zu untestützen und das ägyptische Regime dazu aufgerufen, friedliche Demonstrationen zuzulassen und Internetseiten sozialer Netzwerke nicht zu zensieren. Auch westliche Medien unterstützen den Aufstand durch intensive Berichterstattung.

Sichtbar angeführt wird der Aufstand von einer Jugendbewegung, die sich „Bewegung 6. April“ nennt. Im Hintergrund helfen Aktivisten von establishment-nahen US-Thinktanks wie dem „American Islamic Congress“ bei der Regime-Change-Kampagne in sozialen Netzwerken mit, die auch bei der erfolgreichen Vertreibung des tunesischen Diktators Ben Ali hinter den Kulissen intensiv mitgewirkt haben.

Auch für den heutigen Donnerstag sind trotz Demonstrationsverbotes wieder Proteste angekündigt. Die wichtigste Oppositionskraft in Ägypten, die Muslimbruderschaft, hatte für gestern und heute außerdem zum Generalstreik aufgerufen. Am morgigen Freitag werden Proteste erwartet, die angeblich der von der westlichen Presse schon seit Monaten zum Oppositionsführer hochgeschriebene frühere IAEO-Generaldirektor Mohammed el-Baradei anführen soll. Die Muslimbruderschaft hällt sich mit öffentlichen Aufrufen zu Protesten hingegen eher zurück, vermutlich vor Allem, damit die Proteste die Unterstützung der internationalen Medien nicht verlieren.

Ganz untätig ist die Muslimbruderschaft allerdings nicht. Auf der Startseite der englischsprachigen Webseite der Muslimbruderschaft ist derzeit ein Nachrichtenticker geschaltet, der in Dutzenden Kurzmeldungen täglich über die aktuelle Situation in verschiedenen Städten Ägyptens informiert.

(Dieser Artikel erschien zuerst im Blog Mein Parteibuch und wurde hier gespiegelt, da Mein Parteibuch wegen anhaltender DDoS-Angriffe nach wie vor zum Teil nur schwer erreichbar ist.)

3 Gedanken zu “#Jan25 Aufstand in Ägypten geht weiter

  1. Hat sich mein Verdacht also doch bestätigt (gebe zu bin ein notorischer Pessimist). War irgendwie klar, dass die Revolte in Tunesien nicht vom Volk ausging, sondern von den üblichen Verdächtigen des amerikanischen und israelischen Establishments gut geplant und inszeniert worden ist.(Nebenbei: Hat es überhaupt jemals so etwas wie eine Volksrevolution gegeben?) Wäre ja auch zu schön um wahr zu sein, aber jedem hätte klar sein sollen das sich Volksaufstände in diktatorischen Regimen nicht einfach von heute auf morgen ergeben und binnen einiger Wochen erfolgreich beendet sind, ohne das eine helfende Hand mit viel Macht und Einfluß im Spiel ist. Muß ja schließlich alles gelenkt und koordiniert werden. Das einfache Volk ist dazu nich in der Lage. Eine Frage hätte ich allerdings: Was haben USrael von einem „Regime Change“ in Ägypten? Mubarak war doch bisher eine artige Marionette, vor allem im Kampf des verbrecherischen Zionistenstaats gegen die Palästinenser!?

  2. @Arab4Justice
    Dass die Revolution in Tunesien nicht vom Volk ausging, trifft die Situation nicht ganz. Die Revolte ging schon vom Volk aus. Was neu ist: die USA haben sich anstelle auf die Seite der Diktatur auf die Seite des Volkes gestellt. Lief die Unterstützung der USA für die Revolte in Tunesien noch hinter den Kulissen, so ist die Unterstützung in Ägypten nun ganz offen sichtbar.

    Zu der Frage, warum die USA das tun, kann ich nur spekulieren. Vermutlich gibt es da nicht nur einen Grund, sondern einen ganzen Strauß an Motivationen. Das könnte zum Beispiel sein:

    1. Barack Obama hat „Change“ im nahen Osten versprochen, wurde dafür gefeiert und hat dann keine Taten geliefert. Das Ansehen der USA in arabischen Ländern ist nun so gering wie nie zuvor. Gibt es nun einen demokratischen Change unterstützt von den USA in den arabischen Pro-US-Diktaturen, so verbessert sich das Ansehen der USA enorm.

    2. Barack Obama hat von Netanjahu einen Siedlungsstopp in der Westbank und in Ostjerusalem verlangt. Netanjahu hat über AIPAC den Kongress gegen Obama mobilisiert und Obama den Mittelfinger gezeigt. Obama hat Mubarak aufgefordert, sich gegen Netanjahu zu stellen, doch der hat sich auf die Seite von Netanjahu gestellt. Gibt es nun Change in Ägypten, gerät das israelische Regime von Netanjahu unter Druck. Das könnte eine Antwort von Obama an Netanjahu wegen des Mittelfingers sein. Und es ist eine Botschaft der USA an die anderen Pro-US-Diktatoren in der Region: nehmt Obama ernst, wenn er von Euch etwas fordert. Er ist in der Lage und gewillt, seinen Worten Taten folgen zu lassen.

    3. Würden die USA nichts unternehmen, so würde langsam aber sicher ein Land nach dem Anderen sich in Richtung Iran drehen. Die massive Unterstützung der USA für Diktaturen wie Ägypten und Saudi-Arabien hat all ihrer blumigen Demokratie-Rhetorik jede Glaubwürdigkeit geraubt. Insgesamt könnte sich die Position der USA massiv verbessern, wenn es zukünftig pro-amerikanischen Ländern wie Tunesien und Ägypten anstattt Diktatur eine pro-amerikanische Demokratie gibt.

    Das hat interessante weltpolitische Folgen. In Bezug auf Ägypten ziehen die USA nun im Effekt mit der Muslimbruderschaft und dem Iran an einem Strang – und Mubarak und Israel ziehen auf der anderen Seite.

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