Immer mehr Selbstverbrennungen in arabischen Ländern

Seitdem Mohamed Bouazizi durch seine öffentliche Selbstverbrennung den Sturz des langjährigen tunesischen Diktators Zine el-Abidine Ben Ali auslöste, zünden sich immer mehr Menschen in arabischen Diktaturen an.

Eine in der dem ägyptischen Diktator Husni Mubarak unterstehenden Zeitung Ahram veröffentlichte Meldung der Nachrichtenagentur AFP zählt auf, dass sich seitdem in Algerien acht Menschen, in Ägypten zehn Menschen, in Marokko zwei Menschen und in Mauretanien ein Mensch selbst angezündet haben. Außerdem hat sich auch in Saudi-Arabien und im Sudan jeweils ein Mensch selbst angezündet. Der österreichischen Zeitung „Die Presse“ zufolge haben sich in Marokko inzwischen sogar drei Menschen selbst angezündet, omit sich insgesamt in den letzten Tagen 24 Menschen selbst angezündet haben.

In den allermeisten dieser Fälle – die Ausnahme ist Yacoub Ould Dahoud aus Mauretanien, der Mitglied einer privilegierten wohlhabenden Schicht war – dürfte dabei die Motivation ähnlich wie die von Mohamed Bouazizi gewesen sein: die Menschen haben sich selbst verbrannt, um ein Zeichen gegen Perspektivlosigkeit, Armut und Diktatur zu setzen.

In zahlreichen arabischen Ländern wurde in den vergangenen Tagen teilweise unter hohem persönlichen Risiko für Demokratie demonstriert, so zum Beispiel in Ägypten, in Marokko, im Jemen, in Jordanien und am gestrigen Samstag trotz Verbotes auch wieder in Algerien.

Die Welt ist derzeit Zeuge des enormen Mutes der Bevölkerungen in arabischen Ländern, die sich gegen ihre Diktatoren auflehnen. Gleichzeitig ist die Welt Zeuge der enormen Feigheit und Korruption einiger westlicher Politiker, die sich ausgerechnet jetzt partout nicht bequemen wollen, ihre sonst jederzeit gebetsmühlenartig vorgetragenen Verse von den Vorzügen der Demokratie herunterzubeten – und das nur, weil sie Angst davor haben, sie könnten sonst das Wohlwollen einiger pro-westllcher Diktatoren verlieren. Westliche Politiker schauen gezielt weg, genau wie sie das immer machen, wenn pro-westliche Diktatoren ihre Bevölkerung ausplündern, Wahlen fälschen und den Teil ihrer Bevölkerung, der dagegen protestiert, zusammenknüppeln oder zusammenschießen – so in den letzten Monaten besipielsweise geschehen durch pro-westliche Diktatoren in Albanien, in Aserbaidschan, in Bahrain, in Ägypten, durch Marokko in der West-Sahara und im Apartheidstaat Israel seit Jahrzehnten permanent.

All diese westlichen Politiker, die nichts gegen Diktatur einzuwenden haben, wenn sie sie für nützlich erachten, sollte sich die Bevölkerung im Westen genau merken, um sie bei nächster Gelegenheit genau dahin zu schicken, wo Diktator Ben Ali derzeit ist: in die Wüste.

(Dieser Artikel erschien zuerst im Blog Mein Parteibuch und wurde hier gespiegelt, da Mein Parteibuch wegen anhaltender DDoS-Angriffe nach wie vor nur schwer erreichbar ist.)

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