Mehr als 26 Tote bei Protesten in Tunesien (Update 4)

Die Proteste in Tunesien gehen weiter und das Regime vom ebenso US-freundlichen wie kleptomanischen Clan von Diktator Zine el-Abidine Ben Ali reagierte darauf nun mit äußerster Brutalität. Auf Protestkundgebungen hat Ben Ali heute nicht nur mit Tränengas, sondern auch mit scharfer Munition schießen lassen.

In Kasserine hat es eine große Demonstration gegeben, nachdem dort ein 13-jähriger Junge von den Schergen des Diktators erschossen wurde. AnonNewsNet gab um etwa 2 Uhr MEZ heute morgen folgende Namen als Opfer des Terrors des Regimes in Kasserine an: Mounir Lembarki, Rauf Alboside, Alarbi Saleh, Mohammad Osode. SBZ_news meldete, dass in Meknassy zwei Menschen von den Schergen des Regimes erschossen wurden: Chihab Alibi und Youssef Fitouri. Wedaddy meldete per Twitter, DPA habe berichtet, Marwane Jemli und Mohamed Oumari sowie Nouri Boulabi und Ahmed Boulabi seien von der Polizei erschossen worden. Außerdem meldete Wedaddy, der 17-jährige Ghassane Tayeb Cheniti sei in Tala von der Polizei erschossen worden.

Die genaue Anzahl der Opfer des tunesischen Staatsterrors gegen die eigene Bevökerung ist bisher nicht bekannt. as tunesische Regime versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass Nachrichten über die Opfer der Gewalt des Regimes bekannt werden. Das tunesische Zensurregime hat, wie Torrentfreak berichtet, zahlreiche Autoren und Webseitenbetreiber verhaftet, hackt Facebook-Accounts, Blogs, Webmmail-Accounts, löscht die Daten dort und hat sogar das https-Protokoll deaktiviert, um die Passwörter der Internetnutzer in Tunesien mitniffen zu können. Der Egytian Chronicle berichtet, dass SBZ News die Zahl der Todesopfer mit 14 beziffere, Nawaat sage 11 und „Tunesia is free“ meine 12.

Weiteren Medienberichten zufolge habe sich in Sidi Bouzid erneut ein Mann in Brand gesteckt. Unbestätigt sind bisher Meldungen, dass Diktator Ben Ali sein Militär ausrücken lässt, um sein Land militärisch zu besetzen und die Proteste mit Hilfe des Militärs niederzuschlagen.

Update: Während die US-Propaganda bemüht sind, das Ausmaß des Blutzolles der Gewalttätigkeiten des mit den USA und Deutschland verbündeten tunesischen Regimes durch herunterzuspielen und dazu die offizielle Lügenpropaganda des Regimes verbreitet und staatstragende deutsche Medien die gestrigen Ereignisse in Tunesien wie die Tagesschau einfach gar nicht erwähnen, berichtete Al Jazeera nun, dass allein in Tala und Kasserine neun Protestierende umgebracht wurden und bestätigt damit, dass nicht die Propaganda des Regimes, sondern die hohen von Aktivisten aus Tunesien genannten Opferzahlen der Realität entsprechen. Bestätigt hat Al Jazeera bisher unbestätigte Berichte von Aktivsten, dass Diktator Ben Ali zur Niederschlagung der Proteste Militär in Bewegung gesetzt hat. Doch tatsächlich waren es noch mehr Opfer als von Al Jazeera gemeldet. Nicht erwähnt hat Al Jazeera beispielsweise die beiden namentlich genannten jungen Männer, die gestern nach Angaben von Twitter-Nutzern von den Schergen des Regimes in Meknassy erschossen wurden und auch nicht die gestrigen Suizidopfer in Sidi Bouzid blieben bei Al Jazeera unerwähnt.

Update 2: Nach dem Bericht von Al Jazeera ist die Lügenpropaganda des tunesischen Regims und die darauf aufbauende Propaganda der westlichen Medien zur Verschleierung der Opferzahlen Stück für Stück in sich zusammengebrochen. Zunächst räumte das Regime ein, dass gestern nicht nur zwei, sondern acht Menschen in Tunesien bei Auseinandersetzungen mit der Polizei gestorben sind. Der tunesische Oppositionspolitiker Ahmed Nejib Chebbi hat jedoch erklärt, dass es gestern mindestens 20 Tote gegeben hat. Inzwischen hat das Innenmnisterium zugegeben, dass es „am Wochenende“ 14 Tote in Tunesien gab. Auch die Tagesschau und andere staatstragende deutsche Medien berichten inzwischen über die Ereignisse in Tunesien. Nachdem die Tagesschau am Nachmittag die Lüge des tunesischen Regimes kolportierte, in Tunesien habe es gestern acht Tote gegeben, hat die dortige Redaktion nun offenbar keine Lust mehr, sich mit der leicht durchschaubaren Lügen-Propaganda des tuneischen Diktators lächerlich zu machen und erklärt in der Titelzeile vorsichtig, es habe „viele Tote“ gegeben.

Update 3: Das Blog Le Jura Libertaire zitierte am frühen Sonntagabend (Archiv-Kopie) Radio Kalima mit einem Beitrag, demzufolge in der Nacht zuvor „mehr als 50 Menschen“ von „Todesschwadronen“ des Diktators Ben Ali umgebracht worden sein sollen: und zwar mindestens 16 in Thala, 22 in Kasserine, 2 in Meknassi, ein Mensch in Feriana und acht in Reguab. Im selben Beitrag nennt das Blog 10 Namen von angeblich in Kasserine getöteten und bereits identifizierten Menschen ( Marwan Jemni, Mohamed Amri, Nouri Boulaabi, Ammar Boulaabi, Ahmed Boulaabi, Heddaoui Chniti, Mounir Mbarki, Salah Lifridhi, Mohamed Assouadi, Raouf Bouzidi), 9 Namen von angeblich in Thala getöteten Menschen (Marwan Jomli, Ahmed Boulaabi, Nouri Boulaabi, Marwane Mbarek, Nouri Boulaabi, Marawne Anemri, Ghassane Ben Taib Cheniti, Mohamed Omri, Bechir El Mbarki) und 2 Namen von angeblich in Meknassi getöteten Menschen (Chihab Alibi, Youcef Fitouri). Insgesamt sind dies also bereits Namen von 21 Toten. Der Blogger berichtete außerdem, dass die Schergen von Ben Ali österreichische Sturmgewehre Steyr AUG einsetzten, mit denen sie Protestierende aus mehreren Hundert Meter Distanz zu erschossen, was auch zu den von Demonstranten eingesammelten und bildlich dokumentierten Geschossen im NATO-Kaliber 5,56 × 45 mm passt.

Update 4: Informationen von Aktivisten bei Twitter zufolge haben die Schergen von Ben Ali auch am gestrigen Sonntag wieder mit scharfer auf protestierende Menschenmengen gefeuert. Bloggerin Lina Ben Mhenni berichtete in der Nacht zum Montag, in Regueb habe es am Sonntag fünf Tote gegeben: Manel Boallagui, Raouf Kaddoussi, Mohamed Jabli Ben Ali, Moadh Ben Amor Khlifi und Nizar Ben Ibrahim. Ein weiterer Aktivist berichtete bei Twitter in der Nacht zum Monat, dass es am Sonntag auch in Meknassi Tote gegeben habe. Damit gibt es bereits 26 Tote vom Wochenende in Tunesien, deren Namen bekannt sind. Es ist jedoch bekannt, dass weitere Personen umgebracht wurden, deren Name noch nicht öffentlich bekannt sind, wie beispielsweise der etwa 13-jährige erschossene Junge, wegen dessen Tod am Samstag zahlreiche Menschen demonstriert hatten.

(Dieser Artikel erschien zuerst im Blog Mein Parteibuch und wurde hier gespiegelt, da Mein Parteibuch wegen anhaltender DDoS-Angriffe nach wie vor manchmal nur schwer erreichbar ist.)

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