Spiegel versucht mit unveröffentlichter Depesche Streit in die Linke zu tragen

Ein bemerkenswertes Stück „Journalismus“ liefert die transatlantische Propaganda-Postille „der Spiegel“ gerade ab. Vor drei Tagen veröffentlichte der Spiegel einen Artikel zu einer der Botschaftsdepeschen von Murphy. Im Anreißer dazu heißt es beim Spiegel:

Peinliche WikiLeaks-Enthüllung: Offiziell will die Linke die Nato abschaffen. Doch Fraktionschef Gregor Gysi beruhigte US-Botschafter Philip Murphy, die Forderung sei nur vorgeschoben, um Fundis in der Partei ruhigzustellen. Das zeigt eine Geheimdepesche, die dem SPIEGEL vorliegt.

Der Spiegel bleibt für seine Behauptung jedwede Beweise schuldig, denn das von Wikileaks bisher nicht veröffentlichte Cable selbst hält der Spiegel – im Gegensatz zu anderen Berichten, wo der Spiegel seine Behauptungen mit der Veröffentlichung des entsprechenden Cables belegte – offenbar mit Absicht zurück.

Im Anreißer zum Artikel von gestern enthüllt das rechte Kriegstreiberblättchen seine Absicht dabei ganz deutlich:

Linke-Chef Ernst sorgt bei den Genossen schon lange für Unruhe, jetzt gerät auch Gregor Gysi in die Kritik: Ein Gespräch des Fraktionschefs mit US-Botschafter Murphy über die Nato-Strategie der Partei sorgt für Ärger bei den Genossen – ungewollt hat Gysi ein Streitthema

Es geht dem Spiegel durch die Nicht-Veröffentlichung des der Meldung zugrundeliegenden Cables also darum, ein „Streitthema“ für die Linke zu schaffen. Im gestrigen Artikel ist sich der Spiegel dabei auch nicht zu schade für das hier:

Die Antikapitalistin ist wegen einer von WikiLeaks enthüllten Depesche des US-Botschafters Philip Murphy alarmiert, die auf ein Gespräch des Diplomaten mit Gysi zurückgeht.

„Enthüllt“ ist dabei zielgerichtet das falsche Wort. Bisher ist das Cable unveröffentlicht. Anstatt das der Spiegel ehrlichen Journalismus betreibt und das Cable veröffentlicht, versucht der Spiegel durch das Zurückhalten der dem Artikel zugrundeliegenden Depesche und der gleichzeitigen Verbreitung von zusammenge-spon-nenen Gerüchten Streit zu schüren.

PS: Was man ansonsten von Gregor Gysi halten darf, sollte allgemein bekannt sein.