“Gutes Omen” aus Griechenland

Der sozialistische Exekutor der Goldman-Troika in Griechenland, Evangelos Venizelos, dessen körperliche Figur einem Symbol für die Verteilung des griechischen Reichtums zwischen von Bankstern gestützten Parteibonzen und der Bevölkerung gleicht, sieht es als “gutes Omen” an, dass er mit dem “demokratischen linken” Ex-Justizminister Fotis Kouvelis jemanden gefunden hat, der immer noch bereit ist, mit ihm zu reden, obwohl seine Bankster-Partei PASOK unter seiner Führung von über 43% im Jahr 2009 auf unter 14% im Jahr 2012 gefallen ist.

Und so hofft Evangelos Venizelos, dass die demokratische Linke sich als Mehrheitsbeschaffer aus einem Bündnis der goldigen Bankster-Parteien PASOK und ND als Mehrheitsbeschaffer andienen wird.

Antonis Samaras, Chef der Bankster-Partei ND, die gemeinsam mit der Bankster-Partei PASOK Griechenland in den letzten Jahrzehnten genau dahingebracht hat, wo es sich nun befindet, also in die Staatspleite, reitet bereits frohen Mutes eine neue heftige Attacke gegen Syriza, das Bündnis der radikalen Linken. Syriza habe keinen Schimmer davon, wie das Banksystem funktioniere, maßt er sich zu behaupten an.

Der Bankster-Lakai Antonis Samaras scheint nicht mal zu bemerken, wie lächerlich er sich damit macht. Die Mehrheit in Griechenland hat inzwischen begriffen, dass es seine mafiöse Banksterpartei “Neue Demokratie” war, die Griechenland in den letzten Jahrzehnten gemeinsam mit der pseudo-sozialistischen PASOK-Partei von Evangelos Venizelos durch eine auf die nach der Devise “Wohlstand durch Finanzdienstleistung” stolz vorangetriebene “Liberalisierung des Bankenwesens” in Griechenland und Goldman’schen “Bilanzmaskierungen” setzende politische Strategie gegen den Widerstand der radikalen Linken sowie der Kommunisten zielstrebig in Pleite, Massenelend und Chaos geführt hat.

Und auch machttaktisch war die lächerliche Beleidigung des Linksbündnisses Syriza durch Antonis Samaras wohl ziemlich dumm. Fotis Kouvelis, der Chef der von ihm und seinem PASOK-Kumpan Evangelos Venizelos als Mehrheitsbeschaffer auserkorenen demokratischen Linken, hat nämlich gerade öfffentlich erkärt, die demokratische Linke werde sich nicht an einer Regierung beteiligen, an der Syriza nicht beteiligt ist. Was er mit der Beleidigung erreicht hat, läuft also letztlich darauf hinaus, sich und seinem PASOK-Kumpanen die letzte Machtperspektive verbaut zu haben.

Der Bankster-Lakai Evangelos Venizelos hat allerdings tatsächlich Recht damit, dass es ein gutes Omen aus Griechenland gibt. Nur ist das gute Omen ein ganz anderes als er sich das denkt. Nach dem endgültigen Scheitern der Regierungsbildung wird es wie erwartet Mitte Juni Neuwahlen geben. Und diesbezüglich gibt es eine Meinungsumfrage, die sicherlich ein gutes Omen ist.

Der aktuellen Umfrage von Marc für Alpha TV zufolge hat das Linksbündnis Syriza in der politischen Stimmung seit den Wahlen stark zugelegt und kann damit rechnen, nach den Neuwahlen stärkste Partei zu werden und damit den 50-Sitze-Bonus zu bekommen, der bei den letzten Wahlen am 6. Mai noch an Antonis Samaras und seine Bankster-Partei ND geganen ist. Syriza kann demnach bei Neuwahlen mit 128 von 300 Sitzen rechnen, die demokratische Linke mit 14 Sitzen, und die Kommunisten werden mit schätzungsweise 20 Sitzen weiter Druck von linksaußen machen, dass das radikale Linksbündnis Syriza seine Wähler nicht verkauft. Die traditionellen Bankster-Parteien ND und PASOK müssen der Umfrage zufolge bei Neuwahlen damit rechnen, weiter Stimmen zu verlieren, und können mit zusammen 93 Sitzen rechnen. Mit den restlichen 45 Sitzen können der Umfrage zufolge die rechtsextremen Anti-Bankster-Parteien “Unabhängige Griechen” und “Goldene Morgendämmerung” rechnen.

Zu der Umfrage ist zu anzumerken, dass die traditionellen Bankster weiter an Zustimmung verloren haben, zahlreiche Befragte angegeben haben, sie wüssten noch nicht, wen sie bei Neuwahlen wählen würden, und diese Unentschlossenen dann wieder zu gleichen Teilen auf alle Parteien verteilt wurden, also auch die Bankster-Parteien und insbeosndere auf die PASOK, der die Menschen in Scharen davonlaufen. Es besteht also durchaus Grund zu der Annahme, dass das Ergebnis für die Parteien, die die Sparpläne der Goldman-Troika ablehnen, noch besser ausfällt, als das in den hochgerechneten Prozentwerten der Umfrage, wo PASOK von 10,8% geäußerter Zustimmungsrate auf 12,6% hochgerechnet wurde, zum Ausdruck kommt.

Wie dem auch sei, und es kann und wird bis zur Wahl in fünf Wochen sicher noch viel passieren, selbst wenn man die von Marc für Alpha TV hochrechnete Sitzverteilung für eine Betrachtung zugrunde legt, ergibt sich eine hervorragende Konstellation. In der von Marc für Alpha TV hochrechneten Konstellation kämen Syriza und demokratische Linke auf 142 von 300 Sitzen, neun weniger als die 151 zur Regierungsbildung benötigten Sitze. Für eine Regierungsbildung käme nur noch Syriza in Frage. Eine Regierungsbildung aus rechtsextremen und Bankster-Parteien wäre unmöglich. Syriza könnte versuchen, eine Regierungsbildung entweder mit der kommunistischen Partei (Perspektive: Kommunistische griechische Minister könnten alle der Einstimmigkeit bedürfenden Entscheidungen der NATO und der EU blockieren) oder mit der nominell sozialistischen Bankster-Partei PASOK (Perspektive: reumütiger Umstieg aus einem untergehenden Boot in ein schwimmendes Boot) hinzubekommen. Klappt das nicht, dann würde es binnen sechs Wochen wieder Neuwahlen geben.

Selbst nochmalige Neuwahlen wären nicht das Schlechteste. Während dieser ganzen Zeit könnten wegen der fehlenden Mehrheit der Bankster-Parteien keine der von der Goldman-Troika geforderten weiteren Sparpakete beschlossen werden. Die Goldman-Troika hat für diesen Fall angekündigt, alle Zahlungen einzustellen und Griechenland in den Staatsbankrott zu schicken, der den Verlautbarungen der Bankster zufolge dann Ende Juni eintreten würde. Im Gegenzug würde dann auch Griechenland die Zahlungen an die Bankster einstellen müssen. Das vorrangige politische Ziel des Syriza-Bündnis, die Einstellung aller griechischen Zahlungen an die Bankster, wäre damit erreicht.

Im Weiteren würde dann über das nächste Ziel von Syriza und der demokratischen Linken verhandelt werden, nämlich darüber, wie es weiter mit Griechenland in der Euro-Zone weitergeht. Wie die deutsche Tagesschau im Februar zugegeben hat, gibt es anders als von den Bankstern und ihren Lakaien immer wieder behauptet, keinen Mechanismus, um Griechenland im Fall einer Staatspleite aus der Euro-Zone zu werfen.

Wenn die EZB Griechenland vertragsbrüchig keine Zentralbankeuros mehr zuteilt, nur weil Griechenland eine Staatspleite erlebt hat, so könnte die griechische Notenbank als Euro-druckende Zentralbank darauf mit der Notmaßnahme antworten, einfach selbst so viele Euros zu drucken, wie in Griechenland gebraucht werden. In der Folge würde sich ein De-Facto-Wechselkurs zwischen Griechen-Euro und EZB-Euro entwickeln und es so zu einer schmutzigen Währungsscheidung kommen, die aufgrund der benötigten neuen Währungsumstellung und des internationalen Vertrauensverlustes sehr teuer für die übrigen Eurostaaten würde. Für Griechenland hingegen könnte ein Abschied aus der EU sogar einige wirtschaftliche Vorteile bringen, beispielsweise die Möglichkeit iranisches Erdöl zu günstigen Konditionen kaufen zu können, ähnlich wie die Türkei das macht. Die Staaten der Eurozone haben also ein massives Interesse daran, sich trotz eines einseitigen griechischen Schuldenmoratoriums mit Griechenland gütlich zu einigen, auch wenn das für die Bankster und die von ihnen beherrschten anderen Euro-Staaten noch teurer als geplant wird. Syriza kann in dem Fall darauf verweisen, dass ihre Verhandlungsposition den Bankstern gegenüber zu für Griechenland vorteilhaften Ergebnissen geführt hat, und mit diesem Rückenwind in nochmalige Neuwahlen gehen.

Sollte die Goldman-Troika aus Furcht davor, dass Griechenland pleite geht, trotz Nicht-Umsetzung der Sparvorgaben nicht pleite gehen lassen, würden sich die Drohungen der Bankster und ihrer Lakaien, es würde bei mangelndem Sparbemühungen eine katastrophale Staatspleite geben, als leeres Geschwätz erweisen. Auch in diesem Fall könnten Syriza und die anderen Sparplanablehner darauf verweisen, dass ihre Verhandlungsstrategie gegenüber der Goldman-Troika erfolgreich war und so mit Rückenwind in nochmalige Neuwahlen gehen.

Und genau danach sieht es gerade aus. Syriza wirkt. Die beste Werbung für Syriza macht gerade Klaus Regling, der deutsche Chef des goldigen “Bankenrettungsvereins” EFSF. Der österreichischen CIA-nahen Presse sagte er gerade:

Es kann und darf uns als Europäer nicht egal sein, wenn ein Land an unserer Südostflanke im Chaos endet. Ganz abgesehen davon müssten die zentral- und westeuropäischen Banken erhebliche Verluste einstecken.

Mal abgesehen davon, dass Klaus Regling mit dem Begriff “Südostflanke” einen ähnlichen Wortschatz aus dem deutschen Hut zaubert wie zuvor Thomas Straubhaar, so ist die Aussicht darauf, dass “zentral- und westeuropäischen Banken erhebliche Verluste einstecken” müssen, wenn Griechenland pleite geht, ein gutes Omen für Syriza und die griechischen Sparprogramm-Gegner. Wie könnte man besser dafür werben, dass die griechische Bevölkerung, so wie von Syriza gefordert, nochmal neu darüber verhandeln will, was die Bankster und ihre politischen Lakaien bereit sind, dafür springen zu lassen, dass der Fall der “erheblichen Verluste” für “die zentral- und westeuropäischen Banken” nicht eintritt?

Die griechische Bevölkerung wird sich sicherlich nicht mit dem Argument zu einer Stimmabgabe für die Bankster-Parteien überreden lassen, dass anstelle der griechischen Bevölkerung nun ein “Londoner Wal” bei JPMorgan, der gewohnheitsmäßig Billionen von Dollars in derivativen Finanzwetten verschiebt, nun, rein zufällig nach der Syriza-Wahl in Griechenland, aufgrund unterschätzter Marktschwankungen, ein paar Milliarden Dollar Verlust realisiert hat, und das sehr traurig ist.

Der Rest der europäischen Bevölkerung kann sich derweil schon auf den möglichen “Domino-Effektfreuen, der die Verheißung mit sich bringt, die über Europa herrschenden skrupellosen Bankster und ihe korrupten Lakaien endlich entmachten zu können.

Nachtrag: Oops. Die Deutsche Propaganda-Agentur bringt in einer neuen Meldung auch mal etwas Realismus in das dumme Geschwätz inkompetenter deutscher Politiker. Hätte man der DPA gar nicht zugetraut, sowas.

2. Nachtrag: Eine von “Metron Analysis” soeben für die Zeitung “Investor” durchgeführte und auf ANT1 vorab veröffentlichte Umfrage kommt im Großen und Ganzen zum gleichen Ergebnis wie die von Marc für Alpha TV durchgeführte Umfrage. Syriza liegt hier mit 25,5% in der politischen Stimmung klar vor der Bankster-Partei ND, die demnach mit 21,7% rechnen könnte.

3. Nachtrag: Wieviel müssen die Bankster und die von ihnen beherrschten Staaten abschreiben, wenn Griechenland sich weigert zu zahlen? Die FAZ pfeift im Walde, der Domino-Effekt sei eine griechische Legende, da wird überhaupt nichts passieren. Andere sehen das Anders. Während Bloomberg bei griechischer Zahlungsverweigerung von etwa 400 Mrd Euro Abschreibungsbarf auf griechische Staatsschulden berichtete, meint die Wiwo, es seien “nur” 276 Mrd Euro, davon 76,6 Mrd Euro für Deutschland. Nicht eingerechnet sind dabei jeweils Pleiten von griechischen privaten Schuldern, die einer Staatspleite nahezu zwangsläufig folgen. Für den Anfang sind da erstmal die großen neun griechischen Banken, die sowieso samt und sonders schon kurz vor der Pleite stehen und zusammen mehr als 400 Mrd Euro Verbindlichkeiten haben, das eher dünnem Buchvermögen gegenübersteht. Und zum Ende gibt es dann noch Kreditversicherungen wie CDS. Die als verloren bekannt gewordenen Wetten der Vergangenheit haben ans Licht gebracht, dass insbesondere Banker von Goldman Sachs und Trader von JPMorgan in großem Stil, mit Schuldtiten und Derivaten im Bereich von vielen Billionen Dollar, auf “stabile Märkte” wetteten. Welchen Umfang Wetten mit und auf Kreditausfallversicherungen bezüglich staatlicher und privater griechischer Schulden haben und wer sie hat, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Da die Wettscheine weltweit gehandelt werden, könnte es eine Welle von Bankenpleiten in Ländern geben, wo die Öffentlichkeit heute nicht mit rechnet. Reuters gerüchtete beispielsweise mal, die französische Bank BNP Paribas wäre betroffen.

Hinzu kommt, dass Griechenland ein Recht darauf hat, weiter Euros zu drucken. Sollten andere europäische Staaten sich eine neue Wähung geben wollen, weil Griechenland sich weigert, den Euroraum zu verlassen, so müssen sie obendrein noch die Kosten der Währungsumstellung in diesen Staaten tragen. Rechnet man das zusammen, könnten also durch eine griechische Staatspleite trotz aller anderslautenden Dementis von den Bankstern und ihren Lakaien internationaler Abschreibungsbedarf von insgesamt durchaus über 1000 Milliarden Euro sichtbar werden. Das entspräche der gesamten “Feuerkraft” der vereinigten europäischen “Bankensubventionsschirme”. Aber nur die griechische Staatspleite abzufangen, würde noch lang nicht heißen, dass damit auch Folgeeffekte in anderen schwachen Euro-Ländern wie Spanien, Italien, Portugal, Irland und Frankreich abgefangen wären.

Die Chancen stehen also gut, dass, wenn Griechenland den Staatsbankrott erklärt, die griechische Revolution auf viele andere europäische Staaten übergreift.

4. Nachtrag: Die Springerpresse behauptet, Griechenland sei “selbst wenn es keinerlei Auslandsschulden mehr bedient, “intern bankrott” – also als Staat zumindest teilweise zahlungsunfähig.” Doch ein für die Troika erstellter Bericht behauptete im Februar 2012, dass das griechische Primärdefizit von 10,4 Mrd US-Dollar im Jahr 2009 auf nur noch eine Millarde Dollar im Jahr 2012 gesunken sei. Die primäre Haushaltslücke beträgt bei einem griecheischen BIP von rund 270 Mrd Dollar also deutlich weniger als ein halbes Prozent vom BIP. Um die Lücke, also das halbe Prozent respektive eine Milliarde Dollar jährlich zu schließen, müsste eine Anti-Bankster-Regierung bloß noch in etwa je 700 Euro pro Monat zusätzlich an Steuern von den 100.000 reichsten Griechen eintreiben. Das ist durchaus machbar und bei vielen superreichen griechischen Nichtsteuerzahlern wie den per Gesetz steuerbefreiten griechischen Großreedereien ist da noch sehr, sehr viel Luft nach oben. Das bedeutet, Griechenland hat, abgesehen vom Schuldendienst, derzeit ein nahezu ausgeglichenes Budget. Alles, was die Troika von jetzt an über das halbe Prozent noch zusätzlich an Austeritätsmaßnahmen verlangt – für 2012 verlangt sie erstmal Austeritätsmaßnahmen in Höhe von 3% vom BIP, für 2013/2014 dann nochmal 5,5% vom BIP – dient nur dazu, dass der griechische Staatsbankrott vermieden wird, also die internationalen Gläubiger Griechenlands befriedigt werden.

9 Kommentare

  1. Ich las an anderer Stelle den Beginn eines Kommentars mit:
    “Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten !”

    Hoffen wir, dass wir hier ein positives Beispiel haben werden und keine Junta wieder ran gebracht wird.
    Mit den weiteren Verschiebungen in der Wählergunst kann die Mafia der Finanzelite jedenfalls nicht gewinnen.
    Hoffen wir, dass die Geheimarmeen nicht ausreichen und Dinge wie zum Trainieren der Armeen gegen die vorhersehbaren Aufstände der Bevölkerung in naher Zukunft noch nicht so weit gediehen sind, Dinge wie
    “Bau einer Stadt zum Training der Aufstandsbekämpfung durch Sonderkommandos der Bundeswehr” (Quelle bei radio-utopie, Autor petrapez | 11.Mai 2012 ).
    Hoffen wir das den “werten Herrn” die Zeit davon läuft.

    • Ein Zusatz –
      Daniel Neun schreibt zuletzt (12.Mai 2012 Radio Utopie):

      Titel “SYRIZA bei 28 Prozent: Die Euro-Finanzdiktatur über Griechenland wackelt”

  2. Hier ist noch ein von der Tagesschau wegzensierter Kommentar:

    Mich wundert es nicht

    Mich wundert es nicht, dass die Drohung mit der Herabstufung ausgerechnet von Fitch kommt.

    Fitch gehört zu 50% dem Franzosen Marc Ladreit de Lacharrière. Reuters hat kürzlich verbreitet, dass die französische Bank BNP Paribas jede Menge griechische Staatsschulden versichert habe. Wenn in Griechenland der Fall eines Staatsbankrottes eintritt, würden Ausgeber von Kreditversicherungen dadurch viel Geld verlieren.

    Ein Schelm wer Böses denkt. Natürlich sind die drei großen Rating-Agenturen vor der Abgabe ihrer fachkundigen Meinung nur ihrer Expertise verpflichtet. Nie würden sie auf die Idee kommen, mit Rating-Veröffentlichungen Kurse zum Vorteil ihrer Eigentümer und der Freunde der Eigentümer zu beeinflussen. Rating-Agenturen haben ein reines Gewissen. Von Interessenkonflikten sind sie frei.

    Wer’s glaubt, wird selig.

  3. Noch nützliche und interessante Informationen betreffs des Scheiterns der Wirtschaftspolitik in Europa und nicht nur betreffs und in Griechenland.
    Mein Gedanke: – Steht uns eine “Lateinamerikanische Zukunft” bevor, vielleicht mit Griechenland als Katalysator anstelle Venezuela und Chávez?
    Ausgangspunkt Artikel bei Lars Schall:

    “Der “Berliner Konsens“ funktioniert nicht”
    Von William K. Black, Übersetzung Lars Schall

    “…Die Demokratie war unzuverlässig, ja tatsächlich gefährlich, also mussten die Zentralbanken “unabhängig” vom demokratischen Prozess (und völlig abhängig von den größten Banken) sein. Allein der private Sektor hatte die richtigen Anreize, auf die man sich verlassen konnte, um dynamisches Wachstum und eine sich selbst korrigierende Wirtschaft zu kreieren. Der Konsens wurde im Rahmen der Richtlinien entwickelt, die über Lateinamerika verhängt werden sollten, und die Lateinamerikaner waren die Versuchskaninchen des Konsens‘.

    Der Konsens führte zu einem schwachen Wachstum, einer hohen Arbeitslosigkeit, und wiederholten Privatisierungsskandalen. Er erzürnte die Bürger in weiten Teilen Lateinamerikas, weshalb es einen Erdrutsch an gewählten nationalen Führern gab, und zwar aufgrund ihres Versprechens, sich dem Konsens zu widersetzen, und ihrer offenen Verachtung für Washingtons neokoloniales Diktat. An der lateinamerikanischen Reaktion auf den Konsens ist nichts Ungewöhnliches. Was verblüffend ist, ist, dass zur gleichen Zeit, da sich Lateinamerika erhob, um den Konsens abzulehnen, die vorherrschenden neoliberalen Politiker und Ökonomen in Europa sein gescheitertes Dogma mit dem Eifer des Konvertiten leidenschaftlich verehrten. Sie schufen den Berliner Konsens, und der beruhte auf Austerität heute, Austerität morgen, Austerität für immer. ….
    … Austerität während einer schweren Rezession ist wirtschaftlich verrückt. Es ist eine prozyklische Politik, die die Rezession verschärft. Eine verschärftere Rezession ist ein Massenzerstörer von Wohlstand und Lebensqualität. Sie ist pure Verschwendung. ..
    …Dies verhält sich analog zum medizinischen Irrsinn, Patienten bluten zu lassen, um sie von Krankheiten zu heilen – und sie dann noch mehr bluten zu lassen, weil die vorherigen Blutungen sie kranker machten. …
    …Die Reaktion darauf unter den Bürgern Europas war überwältigend negativ. Jede Nation, die Sparmaßnahmen zugestimmt hat, hat wirtschaftlich gelitten, und jede herrschende Partei, die den Sparmaßnahmen im Gegenzug für EU-Hilfen zustimmte, ist gefallen. …
    …Das Durchführen eines internationalen Wettbewerbs zwischen den Nationen, der auf einem Abwärtswettlauf bezüglich der Löhne der Arbeiterklasse beruht, funktioniert nicht für die Welt oder die Arbeiterklasse. Er ist eine wunderbare Möglichkeit, um die 1 Prozent noch reicher zu machen.

    Wer sind die “Ökonomen”, die sagen, dass Frankreich die Kürzung der Löhne der Arbeiterklasse als seine Priorität “dringend benötigt”? …”

    Link: http://www.larsschall.com/2012/05/10/der-%E2%80%9Cberliner-konsens%E2%80%9C-funktioniert-nicht/

  4. die nächsten wahlen in griechenland scheinen für die bevölkerung zu besseren zeiten zu führen. die grose unbekannte allerdings ist dabei: werden plötzlich “aufstände besorgter bürger” a la cia, einmarsch der nato, um unruhen zu befrieden oder morden a la chile die linken zustände innerhalb der eu zu ändern versuchen. wenn es um ihre milliarden und leistungslosen gewinne geht, dann trau ich den “eliten” alles zu.

  5. @ Blogger

    Erstens tät ich nicht Sie mit so ernsten Sachen wie “Staatsbankrott” (alte Sozialwelt) und eventueller “Revolution” (genauer: beginnenden Veränderungsprozessen) so rumspielen wie Sie und zweitens ist Ihre These des Übergreifens des evtl. Hellasprozesses auf andre “schwache” €-Länder reinster Politspekulatius …

  6. Sie denken in Sachen Griechenland in Kategorien “Links” und “Rechts”. Die Regierungsbildung erfolgt aber nach “Pro-Bankster”, “Anti-Bankster” bzw. korrekter für oder gegen das zweite Memorandum. Bei Neuwahlen wird es nicht anders sein. Syriza hat und wird viele Stimmen von Wählern bekommen, die sich einen Dreck um Links oder Rechts scheren. Die Demokratische Linke ist ein Sammelbecken von Anti-Memorandum Pasok Abgeordnten, die aber noch der alten korrupten Generation angehören. Man fühlt sich dort links, mehr nicht. Die Unabhängigen Griechen sind eine Abspaltung der Anti-memorandum Abgeordnteten aus der ND ergänzt um Figuren aus der linken Szene. Zb. Marias, der eher dem Syriza zugerechnet wurde oder Dimaras mit seiner Linkspartei. Wo sich da Rechtsextreme sehen, bleibt mir schleierhaft. Sie sehen aber an diesem Beispiel, dass die Beispiel dass die Grenzen zwischen Links und Rechts in Griechenland verwischen.
    Die griechischen Kommunisten befinden sich rhetorisch links, haben aber vor der Wahl angekündigt, die Bankster-Parteien und das Memorandum nach der Wahl zu stützen! Momentan rumort es deshalb dort. Wenn die Vorsitzende das wahrmachen sollte (momentan ist sie eher untergetaucht) droht bei den Kommunisten eine Spaltung. Sie sehen aber, die Kommunisten pushen keineswegs von Linksaussen, wie sie behaupten. Man ist längst (an der Spitze) Systempartei geworden und verkauft den Mitgliedern eine rhetorisch verpackte Ideologie. Die Proteste der Kommunisten gegen das Ausschalten der Zwischenhändler für Landwirtschaftliche Produkte!!!, und die damit verbundenen Preissenkungen, was ihnen vor etwa 4 Monaten einigen Spott eingebracht hat, hätte man eher von einer neoliberalen Partei erwartet.

    Und dann gibts noch die Golden Dawn, die schon nicht mehr Rechtsextrem sind. Das sind richtige Nazis, Hitlerverehrer und meines Wissens die einzigen echten Nationalsozialisten in einem europäischen Parlament. Die anderen “Rechtsextremen” in Europa sind eher Rechtspopulisten. Damits richtig kompliziert wird ist Golden Dawn auch Gegner des Memorandums und Anti-Bankster. Deshalb haben sie angekündigt für Syriza zu stimmen oder egal wen, Hauptsache es gibt einen Anti-Bankster Ministerpräsidenten.

    Die Annahme, dass die Kommunisten mit Syriza und der Demokratischen Linken eine Koalition eingehen ist völlig abwegig. Generell haben die Kommunisten (damit meine ich ihre Führung), die es schaffen rhetorsch Anti-Bankster aber im Handeln Pro-Bankster zu sein, keinerlei Interesse an einer Regierungsbeteiligung, aus welchen Gründen auch immer.

    Syriza wird im übrigen, im Falle eines Wahlsieges kein +50 Mandate bekommen. Das steht nach dem Wahlgesetz nur Parteien zu, Syriza ist aber ein Parteienbündnis. Sollten Neuwahlen stattfinden müsste Syriza sich in Windeseile als eine neue Partei gründen, damit es die +50 Mandate abgreifen könnte. Im Falle eines Wahlsieges käme eine Koalition nur mit der Demokratischen Linken und/oder mit den Unabhängigen Griechen in Frage. Das wahrscheinlichste ist eine Dreierkoalition zwischen den Dreien. So weit war man schon vor einer Woche, nur dass die Mandate für die Regierungsbildung nicht ausreichen.

  7. @Georg
    “Sie denken in Sachen Griechenland in Kategorien “Links” und “Rechts”. Die Regierungsbildung erfolgt aber nach “Pro-Bankster”, “Anti-Bankster” bzw. korrekter für oder gegen das zweite Memorandum.”

    Nein. Ich vermute bloß, dass keine Rechts-Links-Anti-Bankster-Koalition geben wird. Ich vermute, da steht zuviel Ideologie zwischen, als dass es möglich wäre. Und ich glaube, das erste praktische politische Thema, dass eine Rechts-Links-Anti-Bankster-Koalition erledigen würde, wäre Migration, also Migrantenrecht usw. Ich vermute, da kommen sehr schnell noch andere praktische Themen, wo der Rechts-Links-Konflikt voll durchschlägt. Meine Vermutung ist deshalb, dass es entweder eine Pro-Bankster-Koalition geben wird, oder eine linke Anti-Bankster-Koalition, oder eine rechte Anti-Bankster-Koalition. Ich sehe im Moment in Griechenland, anders als in Ungarn, die Chancen für eine linke Anti-Bankster-Koalition am Größten. Diese Analyse treffe ich, obwohl ich eine andere Meinung habe, zu dem, was richtig und wünschenswert wäre.

    “Die Unabhängigen Griechen sind eine Abspaltung der Anti-memorandum Abgeordnteten aus der ND ergänzt um Figuren aus der linken Szene. Zb. Marias, der eher dem Syriza zugerechnet wurde oder Dimaras mit seiner Linkspartei. Wo sich da Rechtsextreme sehen, bleibt mir schleierhaft.”

    Ok, vielleicht war ich etwas zu abwertend in meiner Sprache mit den Unabhängigen Griechen. Schaun wir mal, wie das mit dem Verhältnis des Linken Flügels von Syriza zu den Unabhängigen Griechen aussieht. Ich vermute, eine Zusammenarbeit wird nicht funktionieren, und der erste dicke Knackpunkt wird Migration.

    “Im Falle eines Wahlsieges käme eine Koalition nur mit der Demokratischen Linken und/oder mit den Unabhängigen Griechen in Frage. Das wahrscheinlichste ist eine Dreierkoalition zwischen den Dreien. So weit war man schon vor einer Woche, nur dass die Mandate für die Regierungsbildung nicht ausreichen.”

    Danke für den Hinweis. Diese Koalition halte ich zwar für sehr unwahrscheinlich, noch viel unwahrscheinlicher als die hier von mir gezeichneten Möglichkeiten SYRIZA-DemLinke-KKE oder SYRIZA-DemLinke-Pasok, aber ich würde mich freuen, wenn eine Anti-Bankster-Koalition SYRIZA-DemLinke-UG klappt. Ich glaube das zwar nicht, glaube, die werden genausowenig in der Lage sein, eine Regierung zu bilden wie die fünf Anti-PASOK-Anti-ND-Parteien, die gerade gewählt wurden, lass mich aber gern positiv überraschen.

    Heben wir noch mal hervor: nach der Wahl könnte es eine griechische Anti-Bankster-Regierung bestehend aus SYRIZA-DemLinke-UG geben, wenn die dem im Wege stehenden Fraktionen über ihren Schatten springen. So eine Koalition könnte nach derzeitigen Prognosen eine Mehrheit bekommen. DIe Möglichkeit ist also real.

  8. - Ganz abgesehen davon müssten die zentral- und westeuropäischen Banken erhebliche Verluste einstecken.

    Griechenland könnte zwar die Zinszahlungen der Verlustpapiere aussetzen, aber wie die Bezeichnung schon sagt, nicht aus den Büchern streichen, ohne Griechenland binnen Kürze an die Wand zu fahren. Der Einfachheit halber mal angenommen der Venizelos benötigt 1MJ pro Tag um seine Idealfigur zu halten, dann nützt es ihm nichts, 365MJ pro Jahr auf ein Mal zu vertilgen, auch wenn damit dem Mittelwert Genüge getan wird. Im Normalfall leidet jeder Mensch – sogar Griechen – schon nach 1 Tag Hunger und beginnt unmittelbar mit Überlegungen, sich nicht doch lieber von USAID und anderen tollen internationalen Hilfsorganisationen befreien zu lassen.

    Natürlich kann Griechenland mehr aus den Verhandlungen rausholen, viel mehr aber nicht, denn viel mehr bedeutet unkontrollierter Absturz mit anschliessender Fremdsanierung durch die üblichen Seelenverkäufer, nur noch billiger: Kriegs- oder Krisengewinnler. Die Folgen werden im OVZ-Link dramatisch beschrieben. Demnach sollen die Euros mit oder ohne Euro fliessen: Die Öffnungszeiten im Selbstbedienungsladen der Banken wurden gerade auf 25h pro Tag ausgedehnt. Ausserdem wurden in den letzten Jahrzehnten reihum Bad Banks aus der Taufe gehoben, die griechischen Papiere nicht-griechischer Banken auszulagern wäre einfacher denn je – Sozialisierung der Verluste – und hinterher sind sie wieder topfit, unsere Bankster. Was bei OVZ auch nicht erwähnt wird, ist die hegemoniale Dimension der Krise, denn der …

    - … Begriff “Südostflanke” …

    … bedeutet nichts mehr und nichts weniger, als dass die NATO stellvertretend lobbyiert – die Rettung für Demokratie und Freiheit ist nah – um eben diese militärische Flanke zu halten. Der Euro wurde aus strategischen Gründen eingeführt und wird auch deswegen gehalten. Wäre es nicht so, hätte man Griechenland die Aufnahmekriterien erst gar nicht geschenkt. M.a.W. diese Krise wurde bewusst mit einkalkuliert, ergo gibt’s auf diesem Planeten mindestens eine Schublade mit entsprechenden Szenarien. Erinnert sich noch jemand an das Europa der 2 Geschwindigkeiten? Grob eingeteilt in Norden und Süden? Inwiefern unterscheidet sich diese Vision von der umgesetzten Einheitsgeschwindigkeit?

    Die Wahrscheinlichkeit ist 2, dass man sich von einer Pleite respektable Kriegs- oder Krisengewinne verspricht, die wiederum von der Masse aufzubringen wären. Im Falle einer Nicht-Pleite wären die Rettungs-Zillionen ja auch von der Masse aufzubringen. Diese Menschen denken nicht in Euro oder Dollar, sondern in Unternehmensanteilen als Ausdruck von Macht – je mehr desto mehr. Währungen spielen darin nur die Rolle eines Vermittlers. Wenn z.B. der Hafen von Piräus in welcher Währung auch immer von heute auf morgen nichts mehr wert ist, dann ist das eine Kaufgelegenheit mit Sanierungspotetial. Wenn 3 von 5 Kaufgelegenheiten gelingen, hat man zwar 2 Händel in den Sand gesetzt, aber unter dem Strich an Macht gewonnen. Nun denke man sich das ganze ein paar Ebenen höher: Wenn 3 von 5 Failed States …

    - Die als verloren bekannt gewordenen Wetten …

    … sind Teil einer Börse, welche unbekanntermassen als Umverteilungskarussell aufzufassen ist. Jedem Verlierer steht ein Gewinner gegenüber, zu jeder Position lässt sich eine Gegenprodukt strukturieren. Worüber PRopagandistisch i.d.R. weder gesprochen noch geschrieben wird. Wohin sind die 2G$ von JPM wohl geflossen? Bleibt der Betrag in der Familie? Wenn ja, war das ein prima Familientraining für morgen – fit für die Zukunft.

    Danke @einparteibuch und @Georg für Euren konstruktiven Austausch.

    Die Amis auf Kurs
    Grüsse
    kosh


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