Chinas Gravitationskraft zieht Asien weiter an
28. Mai 2011
Der US-amerikanische Imperialist Henry Kissinger schrieb in seinem im Juni 2001 veröffentlichten Buch “Does America Need a Foreign Policy?”
Es gibt da Trends, unterstützt von China und Japan, eine Freihandelszone in Asien zu schaffen. Ein oppositioneller asiatischer Block, der die bevölkerungsreichsten Nationen der Welt mit den größten Ressourcen und einigen der wichtigsten Industriestaaten wäre inkonsistent mit dem nationalen Interesse Amerikas. Aus diesen Gründen muss Amerika eine Präsenz in Asien unterhalten.
Das wenige Monate vor 9/11 veröffentlichte Buch war ein Plädoyer, die USA mögen sich doch bitte schön mal Gedanken über eine außenpolitische Strategie machen anstatt stets situativ zu entscheiden und dabei Gefahr zu laufen, sich strategisch in schwierige Kompikationen zu begeben.
Zu jener Zeit war die weltpolitische Lage so, dass die USA die einzige Supermacht der Welt waren. Der von der Sowjetunion geführte Ostblock war zusammengebrochen und die Medien schrieben vom amerikanischen Jahrhundert. Die Wirtschaft der USA im Jahr 2000 umfasste fast soviel wie alle anderen G7-Staaten zusammen und die G7 waren im Weltmaßstab das Maß der Dinge. Die nicht in der G7 vertretenen BRIC-Staaten brachten kaum ein Zehntel der Wirtschaftsleistung der G7 auf die Waage. Zwar hatte sich China inzwischen auf Platz sechs der größten Wirtschaftsnationen der Welt vorgehangelt, doch die nominal gemessene Wirtschaftsleistung von China, einem meist vor allem als billiger Fertigungsstandort für arbeistintensive und technisch wenig anspruchsvolle Produktionsvorgänge wahrgenommenen Dritte-Welt-Land, entsprach gerade einmal einem Achtel der Wirtschaftsleistung der USA. Im Jahrzehnt zuvor war der US-Staatshaushalt in Ordnung gebracht worden, so dass der Dollar trotz der Euro-Gründung auf unabsehbare Zeit die unverzichtbare und dominierende Reservewährung der Welt bleiben würde und den USA damit weitere Jahrzehnte von immensen Seignorage-Profiten versprach. Die USA konnten es sich damit leisten, für Militär ungefähr so viel auszugeben wie der West der Welt zusammen. Mit dieser Kombination aus vollständiger wirtschaftlicher und militärischer Überlegenheit konnten die USA praktisch jedem Herrscher der Welt ihren Willen aufzwingen.
Angesichts ihrer als praktisch vollständig wahrgenommenen Überlegenheit hat sich die arrogante Bush-Cheney-Regierung für eine fein durchachte außenpolitische Strategie nicht die Bohne interessiert. Wenn überhaupt über Außenpolitik diskutiert wurde, dann lediglich über die Reihenfolge der sie ärgernden Staaten, in denen die USA die Regierung mit wirtschaftlichem Druck, bunten Revolutionen, Putsch und Krieg austauschen würde. Angesagt war dabei praktisch Außenpolitik nach Gutsherrenart. Das dahinterstehende außenpolitische Konzept der USA ist denkbar einfach und aus dem Berufsbild der Zuhälterei bestens bekannt: wer die USA oder ihre Schützlinge ärgert, bekommt umgehend kräftig eins auf die Nase. Die USA waren unwiderstehlich. Oder sie hielten sich zumindest dafür.
Zehn Jahre nach der Veröffentlichung seines Buches zur fehlenden außenpolitischen Strategie in den USA darf man dem Kriegsverbrecher Henry Kissinger attestieren, dass er mit seinen Gedanken dazu, dass es ein Fehler der strategischen Planung der US-Außenpolitik war, nicht zu existieren, die wohl wichtigste Entwicklung des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert recht treffend vorhergesehen hat. Auch zur außenpolitischen Vorgehensweise der USA und ihren Folgen lag er offenbar nicht ganz falsch.
Schon drei Monate nach erscheinen des Buches von Henry Kissinger flogen zwei Flugzeuge in das World Trade Center in New York, und die USA starteten – geleitet von Zorn und Wut – danach gemeinsam mit einigen ihrer Schützlinge umgehend eine umfassende Invasion von Afghanistan. Kurz darauf erfüllten sich die USA sich auch noch den lange gehegten Herzenswunsch, die Ölquellen des Irak zu besetzen und den widerborstigen bisherigen Machthaber dort aufzuknüpfen. In Jugoslawien, Georgien, der Ukraine, dem Libanon, Kirgistan, Haiti und Thailand gefiel es den USA im letzten Jahrzehnt, da bunte Regime Changes und blutige Putsche zu organisieren und in Venezuela, Weißrussland, Myanmar, Tibet und Iran versuchten sie es auch, wenngleich erfolglos, frei nach dem Motto, man kann es ja mal probieren. Herausgekommen ist bei diesen Regime Change Operationen für die USA, außer dass die USA damit weltweit Hass auf sich selbst geschürt haben, rükblickend auf das ganze Jahrzehnt praktisch nichts. Kaum eines der Länder, wo die USA im letzten Jahrzehnt erfolgreich bunte oder kriegerische Regime Change Operationen durchgeführt haben, wird nun, nur ein paar Jahre später, noch von einer sonderlich US-freundlichen Regierung regiert.
Als die US-Außenministerin Hillary Clinton heute nach Pakistan flog, war sie bemüht, sich ihre Überheblichkeit nicht anmerken zu lassen. Man kann es förmlich spüren, wie sie sich auf die Zunge biss, um die pakistanischen Machthaber nicht noch mehr zu verärgern – und das, obwohl der Regierungschef des langjährigen US-Vasallenstaates gerade die Todsünde begangen hat, den USA mit Liebesentzug zu drohen und China öffentlich als besten Freund zu bezeichnen. Den Oppositionsführer Nawaz Sharif, der gute Chancen hat, nach der kommenden Wahl Regierungschef zu werden, hätte Hillary Clinton auch gern getroffen, aber der ließ sie vergeblich warten.
Die einzige Supermacht spielt in Asien nur noch die zweite Geige und muss sich hinten anstellen, zu mehr reicht es nicht mehr. Während die USA wirtschaftlich ein ganzes Jahrzehnt im Sumpf von aus Zorn, Überheblichkeit und Arroganz begonnenen Kriegen verloren haben, haben China und andere zurückhaltende Länder der BRIC und der SCO sich prächtig entwickelt. Während die USA ihr nominelles Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahrzehnt von 2000 bis 2010 in Dollar gerechnet gerade einmal um 50% gesteigert haben, wovon nach Abzug von Inflation gerade einmal noch 18% übrigbleiben, haben die BRIC-Staaten ihr in nominalen US-Dollars berechnetes BIP im gleichen Zeitraum durch die Bank verdreifacht bis verfünffacht. Im Ergebnis hat China 2010 die zweitgrößte Wirtschaft der Welt, Brasilien steht auf Platz sieben der größten Wirtschaftsnationen der Welt und Russland und Indien auf Platz zehn und elf. Auch 2010 war die Wirtschaft der USA in nominellen Dollars mehr als Doppelt so groß wie die Chinas, doch kann dabei nicht vernachlässigt werden, dass China während des großen Wachstums riesige Devisenüberschüsse anhäuft, die USA immer mehr Schulden anhäufen und selbst ihr minimales nominelles Wachstum im letzten Jahrzehnt nur durch Spekulationsblasen, Staatsverschuldung und Bilanzierungstricks erreicht haben.
Die Verschuldung der USA, die derzeit einfach durch Schöpfen von immer mehr Dollar – die USA nennen ihr inflationäres Gelddrucken vornehm Quantitative Lockerung – finanziert wird, stößt nun an Grenzen. Werden einfach immer mehr Dollar geschaffen, eignet sich der Dollar einereits immer schlechter als Reserve-Währung und andererseits stehen den Schulden dann Blasen im Finanzsektor gegenüber, die den USA, ähnlich wie das Japan das die letzten 20 Jahre gegangen ist, über viele Jahre die Möglichkeit verbauen können, über niedrige Zinsen Wirtschaftswachstum zu stimulieren. Den USA stehen damit vor der Wahl, entweder bald zu sparen und so ihren Haushalt zu sanieren oder weiter ungebremst Defizite zu machen und dann die gewaltigen Profite der Seigniorage zunehmend zu verlieren, wenn der Dollar immer weniger als Reservewährung akzeptiert wird, und dann, wenn sie das Reservewährungsprivileg verloren haben, durch eine drohende oder tatsächlich eintretende galoppierende Inflation faktisch zum Sparen gezwungen werden. Es ist also im eigenen Interesse der USA, ihren Staatshaushalt zu konsolidieren. Die USA erkennen das in der Theorie auch, und so ist es zu verstehen, dass die USA gerade auf dem G8-Gipfel in Deaville den für die einzige Supermacht ungewöhnlichen Schritt gegangen sind, und den anderen G8-Staaten versprochen haben, sie würden künftig eine Sparpolitik betreiben.
Sollten die USA wirklich sparen, dann sind die Aussichten für zukünftiges Wirtschaftswachstum erstmal in den USA eher düster. Sinkende Regierungsausgaben führen verstärkt durch die Hebelwirkung des Wirtschaftskreislaufes regelmäßig zu weniger Wirtschaftswachstum. Der einzig nennenswerte Budgetposten der USA ist obendrein das Militär und gleichzeitig ist die Rüstungsindustrie nach der Outsourcing-Politik der letzten Jahrzehnte einer der wenigen in den USA noch verbliebenen exportstarken Industriezweige. Sollten die USA da sparen, so verlieren sie nicht nur Wirtschaftskraft, sondern auch stückchenweie die Fähigkeit, Weltpolizist zu spielen und andere Länder mit einem angedrohten Angriffskrieg zu unterwerfen. Sollten die USA nicht sparen, droht ihnen Stagnation, Inflation und Pleite. Die USA stecken in einer Zwickmühle.
Chinas Wirtschaft wächst derweil unwiderstehlich und beinahe punktgenau geplant in hohem Tempo weiter. Der von den USA und ihren Verbündeten dominierte IWF stellt eine für die USA angesichts der schlechten Lage sehr günstige Wachstumsprognose und sagt trotzdem voraus, dass China, wenn die Kaufkraft in die Berechnung mit einbezogen wird, die USA bereits 2016 als größte Wirtschaftsnation der Welt ablösen wird. In nominalen Dollars gerechnet sagt der IWF voraus, dass die chinesische Wirtschaft bis 2016 nur auf etwa Zweidrittel der Größe der Wirtschaft der USA angewachsen sein wird. Ob diese für die USA sehr schmeichelhafte Prognose eintrifft, hängt allerdings nicht nur davon ab, ob die USA die sehr optimistischen Wachstumszahlen erreichen, sondern noch viel mehr von der chinesischen Währungspolitik. Sollte China beschließen, dem US-amerikanischen Druck nachzugeben und die chinesische Währung kräftig aufzuwerten, dann könnte China in der Wirtschaftsleistung auch in nominellen Dollar gerechnet schon bis 2016 mit den USA gleichziehen.
Mit der Größe und dem Wachstum entwickelt China so etwas wie eine Gravitationskraft, die die Länder, die an Chinas Boom wirtschaftlich teilnehmen dürfen, stark an China bindet. China bietet entwickelten Ländern einen riesigen und rasend schnell wachsenden Absatzmarkt sowie günstige Produktionsbedingungen dazu, also Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Weniger entwickelten Ländern bietet China Investitionen zum Aufbau des Kerns einer eigenen leistungsfähigen Wirtschaft, also beispielsweise Investitiongüter angefangen von Bergbauanlagen zur Rohstoffgewinnung über Straßen, Eisenbahnen und Kraftwerke bis hin zu weiterverarbeitenden Industrieanlagen wie Raffinerien, und das alles – dank der großen chinesischen Devisenvorräte ist das kein Problem – selbstverständlich einschließlich passender Finanzierung.
Einiges wurde in den letzten Jahren über die Bedeutung des Bündnisses der Shanghai Corporation Organisation und die Interessengemeinschaft der BRICS-Staaten als aufstrebende auf China gestützte Konkurrenz zu NATO und G8 geschrieben. Das ist nicht verkehrt und gerade die SCO spielt als gemeinsame Sicherheitsorganisation der aufstrebenden Staaten China und Russland sicherlich eine wichtige Rolle. Doch es gibt noch weitere auf Chinas wirtschaftliche Gravitationskraft gestützte Clubs in Asien, die kaum weniger wichtig sind, aber in den westlichen Medien praktisch keinerlei AUfmerksamkeit bekommen.
Ein solcher Club, der in westlichen Medien bisher praktisch völlig unbeachtet blieb, ist der China-Japan-Südkorea-Gipfel, der vor ein paar Tagen zum vierten Mal stattfand. Da laufen die Vorbereitungen für eine Freihandelszone zwischen China und Japan auf Hochtouren, von der Henry Kissinger 2001 schrieb, sie sei gegen amerikanische Interessen, und Südkorea ist auch gleich mit dabei. Wie man gesichts dessen, dass Henry Kissinger bereits vor zehn Jahren darüber schrieb, erkennen kann, ist die Idee nicht neu, und erfolglose Gespräche diesbezüglich gibt es bereits ebenso lange.
Solange die stark US-orierentierten Staaten Japan und Südkorea wirtschaftlich stärker als China waren, haben diese starken Verbündeten der USA ihre wirtschaftliche Integration mit China verhindert. Nun ist China aber nicht nur das wirtschaftlich stärkste dieser drei Länder, sondern inzwischen auch der mit Abstand wichtigste Handelspartner sowohl für Japan als auch für Südkorea. Während die Bedeutung Chinas als Handelspartner weiter zunimmt, nimmt die Bedeutung der USA für Japan und Südkorea hingegen ab.
Mit den Handelsmilliarden einher geht früher oder später regelmäßig auch eine politische Annäherung, und, wenn die erstmal da ist, dann sind die Türen offen für eine weitere Integration wie bei der EU oder bei ALBA. Sollte es China demnächst gelingen, Japan und Südkorea zuerst in eine Freihandelszone und dann in ein Bündnis mit China hineinzubekommen, dann ist das eine Wirtschaftsmacht, die stärker als die USA ist. Ein Bündnis der drei großen ostasiatischen Staten würde die USA in Asien als Hegemonialmacht völlig sinnlos machen. Es gibt wenig, was die USA dagegen machen können, dass ihre nach dem zweiten Weltkrieg dort aufgebaute hegemoniale Stellung aufgrund der anwachsenden Handelsströme zwischen den Staaten des fernen Ostens schon bald kollabiert. Die üblichen amerikanischen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung eines Bedarfs für ihre Schutzfunktion wie Angstmache, provokative Militärmanöver oder anti-kommunistische Medienhetze werden der politischen Kraft der Multi-Milliarden schweren chinesischen Handelsströme auf Dauer kaum standhalten und China ist klug genug, sich durch die US-Störmanöver nicht provozieren zu lassen und verfolgt beherrlich weiter das Ziel der Integration mit Japan und Südkorea, durch die die US-Hegemonie über Ostasien schon bald beendet werden kann.
Ganz ähnlich wie mit Japan und Südkorea sieht es mit Taiwan aus, das die USA seit der chinesischen Revolution als ihren aggresivsten Vorposten gegen die Volksrepublik China benutzt haben. Auch hier sorgen die Handelsströme dafür, dass Taiwan sich der Volksrepublik China immer mehr annähert und es gibt außer dem Verbreiten der Medienhetze und dem Anbieten von Waffenlieferungen wenig, was die USA dagegen tun können.
Mit anderen Staaten Asiens ist China bei der wirtschaftlichen Integration bereits noch weiter gekommen, so zum Beispiel mit den Staaten der ASEAN. Mit den mehr als 600 Milionen Einwohner zählenden Staaten der ASEAN gibt es bereits seit über einem Jahr eine Freihandelszone, welche bezogen auf die Einwohner die Größte der Welt ist.
Doch damit nicht genug. Selbst auf die westlichsten der westlichen Hochburgen in der Region wirkt die chinesische Gravitationskraft. So freute sich Neuseeland erst vorgestern, dass China ein paar Milliarden seiner Devisenreserven in Neeseeland investiert und der neuseeländische Regierungschef sagte, Neuseeland sei China etwas schuldig. Und für den australischen Bergbau und Staatshaushalt ist der Absatzmarkt China so wichtig, dass wenn China niest, Australien eigenen Angaben zufolge Lungenentzündung bekommt.
Bisher gingen westliche Prognosen von Organisationen wie IWF und Weltbank davon aus, dass es noch mindestens zwei oder drei Jahrzehnte dauern wird, bis China und Asien wirtschaftliche so stark sind, dass die Hegemonie der USA und ihrer europäischen Vasallen beendet wird. Bis dahin hätten die USA noch reichlich Zeit, um etwas dagegen zu unternehmen, zum Beispiel Kriege oder bunte Revolutionen in Asien anzuzetteln.
Doch es scheint zu spät zu sein. Die USA haben den zeitpunkt, ihre Hegemonie aufrecht zu erhalten, wohl verpasst, denn die USA haben ein Problem damit, ihren völlig überdimensionierten Militärapparat, der bisher für die westliche Hegemonie sorgt, so lange zu finanzieren, bis sie ihn auf die Zerschlagung der Befreiung Ostasiens einjustiert haben. Und wenn China weiterhin eine so kluge zurückhaltende Politik wie die letzten beiden Jahrzehnte betreibt und die von China ausgehenden wirtschaftlichen Gravitationskräfte weiter so stark anziehend wie derzeit wirken, dann kann das Ende der westlichen Hegemonie über die Welt jedoch sehr viel schneller kommen.
Es ist eine Hoffnung für die Menschheit. Wenn China die auf der wirtschaftlichen Anziehungskraft basierende Integration Asiens recht bald gelingt, dann könnte die Jahrhunderte alte Geißel des westlichen Imperialismus bereits in vier oder fünf Jahren Geschichte sein, einfach weil den Imperialisten da schon wirtschaftlich die Puste ausgegangen ist.
Wann auch immer es sein wird, es kann schon eher soweit sein als es derzeit im Allgemeinen den Anschein hat. Wie der Krieg gegen Libyen zeigt, wird der Westen schließlich nicht müde, sich arrogant und selbstherrlich sein eigenes Grab zu schaufeln.
Wenn sie vorbei ist, wie wird man sich dann an die Zeit der westlichen Hegemonie erinnern? Kishore Mahbubani erklärte einem verdutzten Spiegel-Reporter im Mai 2008: “Es gab mal eine ungewöhnliche Epoche, in der der Westen die Welt dominiert hat, sie kolonialisiert, sie kontrolliert hat. Diese Epoche ist jetzt vorbei. Endgültig.”
28. Mai 2011 at 08:48
In den europäischen Vasallenregimen werden hoffentlich,von innen her,auch Veränderungen passieren.Es glimmt doch schon längst nicht mehr nur,die Menschen warten doch alle nur noch darauf die Regierungen zu stürzen.
28. Mai 2011 at 15:42
@Pit
Ja, es gibt auch Veränderungen in den europäischen Vasallenregimes. An den Sturz durch die Regimes durch die Menschen und daran, dass sie durch was besseres ersetzt werden, glaube ich dabei allerdings eher weniger.
Den Menschen ist der außenpolitische Zusammenhang überhaupt nicht präsent. Die Massenverblödungsmedien haben da ganze Arbeit geleistet. Gegen die riesiegen deutschen Banken-Bailouts zugunsten der USA zum Beispiel gab es in Deutschland von den Menschen nur sehr wenig Widerstand. Die Menschen gehen stattdessen gegen Kleinigkeiten wie Stuttgart 21 auf die Straße und sind zufrieden, wenn die gleiche verhängnisvolle Politik der Transsatlantiker zukünftig unter einem rot-grünen Banner fortgesetzt wird.
Die Veränderungen in den europäischen Vasallenregimes kommen aber dennoch, und sie kommen auf ähnliche Weise wie in Asien: nämlich durch die Handelsströme. Die Gas-Pipeline durch die Ostsee zum Beispiel wird mit ziemlicher Sicherheit Folgen für die außenpolitische Ausrichtung haben. Russland wird damit viel schwerer zu verteufeln sein, da stehen Milliarden an Geschäftsvolumen hinter, die dagegen wirken.
Die Massen kommen dann den außenpolitischen Handelsströmen und deren finanzierbaren Werbe-Etats langsam hinterher. Wenn zum Beispiel Schalke mit Gasprom auf dem Trikot Pokalsieger oder auch mal Meister wird, und dann kommt irgendein Transatlantiker auf die Idee, gegen Russland und Gasprom zu hetzen, dann fühlen sich Schalke Fans möglicherweise persönlich angegriffen. Und Schalke Fans gibt es viele.
Ganz ähnlich läuft das bei VW und China. Wenn irgendein Transatlantiker auf die Idee kommt, gegen China zu hetzen, dann braucht man sie nur daran erinnern, dass das profitable China-Geschäft VW in Deutschland abertausende Arbeitsplätze sichert, und sie die doch bestimmt nicht gefährden wollen, und Ruhe ist im Karton.
Da gibt es noch unzählige weitere Beispiele, wie die Kraft der Handelsströme langsam aber stetig wirkt. Die USA haben hingegen das Problem, dass sie Deutschland außer Propaganda wirtschaftlich immer weniger bieten können. Das macht sich zwar nur schleichend und nahezu unsichtbar verlaufend, aber langfristig gesehen sehr kraftvoll bemerkbar.
So funktioniert die chinesische Gravitationskraft in Asien, und die Kräfte der Handelsströme wirken auch in Deutschland und Europa.
28. Mai 2011 at 15:57
Beim Selbstverständniss und Selbstbewusstsein der USA muss befürchtet werden, dass diese nicht heimlich, still und leise in die Kulisse abtreten, sondern wie ein Glücksspieler alles auf eine Karte setzen: Ein großer Knall, alles oder nichts! Dieses Land hat viel Waffen und Militär, Rüstung vom Feinsten, Atombomben aber sonst nicht mehr viel als Gentechnik und Medizin anzubieten. Womit sollten die USA international konkurrieren? Ohne den Dollar wären auch all die raffinierten Zockerspielchen an den Börsen nicht mehr so ohne weiteres machbar. Ich fürchte, je schlechter es den Amis geht, desto gefährlicher wird’s für die Welt und daran sind dann nicht die immer neuen Retortenschurken schuld, die aus dem Zylinder gezaubert werden!
28. Mai 2011 at 17:48
“Es ist eine Hoffnung für die Menschheit. Wenn China die auf der wirtschaftlichen Anziehungskraft basierende Integration Asiens recht bald gelingt, dann könnte die Jahrhunderte alte Geißel des westlichen Imperialismus bereits in vier oder fünf Jahren Geschichte sein, einfach weil den Imperialisten da schon wirtschaftlich die Puste ausgegangen ist.” – Schön wärs, wenn Du recht behältst. Die Chinesen sind nicht so optimistisch. Sie sagen, dass sie noch zwanzig Jahre brauchen, um einen Angriff der USA zu einem tödlichen Riskio für diesen Staat selbst zu machen. Und die irrationalen Züge in der USamerikanischen Politik sind jetzt schon so, dass man selbst das Eingehen eines solchen Risikos nicht ausschliessen kann. Ich fürchte, dass ein grosser Krieg in Asien mit dem Ziel China eine grosse Gefahr ist.
28. Mai 2011 at 19:12
Aus einem Zen-Buch:
“In zehn Tagen einmal Wind
In fünf Tagen einmal Regen
Ruhe haben wir im Land
Freude macht das Werk der Hand
Trommelt auf den Bauch und singt!”
(chin. Meister Fa-yüan, ich vermute ca. 12. Jahrh.)
28. Mai 2011 at 22:52
Ich greife mal zwei Punkte aus dem dankenswerten Artikel heraus:
1.) “Herausgekommen ist bei diesen Regime Change Operationen für die USA, außer dass die USA damit weltweit Hass auf sich selbst geschürt haben, rückblickend auf das ganze Jahrzehnt praktisch nichts.”
Eben: Das Vorgehen der US-Diktatur ist absolut machiavellistisch (das gilt m. E. auch für Israel). Und eine solche Vorgehensweise ist letztlich immer zum Scheitern verurteilt. Dies jedenfalls was die jeweilige Zielerreichung angeht – leider nicht, was irgendwelche Zwischenziele angeht, wie Z. B. irgendwelche Schlachten, Ermordungen von konkreten Persönlichkeiten, Länderzerstörungen und -besetzungen. Denn die machiavellistische Herangehensweise ist ‘linear objektivistisch’ und berücksichtigt deshalb die Interdependenzen nicht ausreichend.
Es ist im Grunde genommen “planwirtschaftlich” und muß aus demselben Grund scheitern, wie andere Planwirtschaften. Und das tut es ja schon seit einem halben Jahrhundert. Nehmen wir z. B. Kissinger: Es hat wohl nie einen Secretary of State – oder einen Außenminister anderer Länder – mit einer mieseren Bilanz gegeben als gerade Kissinger. a) Den Vietnamkrieg glimpflich zu beenden – mehr sollte er am Ende doch nicht – schaffte er aber nicht: Um die Welt gingen die demütigenden Bilder einer in höchster Panik im letzten Moment mit Hubschraubern von Dächern ausgeflogenen US-Soldaten. b) Laos und Kambodscha wurden “den Kommunisten” auch noch – ohne Not! – in den Schoß geworfen. Kissingers “Strategien” zeigten stets die Mentalität eines Zockers! c) Wegen Kissingers hirnrissiger Cypern-Politik wäre es um ein Haar zum Krieg zwischen der Türkei und Griechenland an der verwundbaren Nato-Südostflanke gekommen. Das wäre ein Katastrophe gewesen! d) Halb Afrika wurde unter Kissinger “kommunistisch”: Z. B. Äthiopien, Angola (Öl!), Mosambik usw. Erst Jimmy Carter (s. auch “Andrew Young”) gelang es mit einer geschickten und vorsichtigen Politik, diese Länder zumindest auf “Blockneutral” zu bringen. e) Ob Pinochets Putsch in Chile auch als Mißerfolg zu werten ist, lasse ich mal offen. Aber eine Außenpolitik, die mit der Brechstange und mit der Zuhilfenahme übelster Diktatoren und übelster Massenmorde operiert, ist doch nun wirklich nicht “genial” oder “talentiert” oder “geschickt”. Hohe Qualität hätte seine Außenpolitik z. B. bewiesen, wenn ein Allende – obwohl “Kommunist” – auf die Seite der Westmächte gelockt worden wäre. Das hätte im Ostblock für erstklassige Verwirrung gesorgt.
Und die Kissingersche Politik ist geradezu typisch für die Außenpolitik der US-Diktatur seit hundert Jahren.
Hinzukommt auch noch dieses den Ereignissen immer vorauseilen wollen. Da ich schon mal den Zen (chin. “Chan”) erwähnt hatte – hier ein spöttischer Spruch eines chinesischen Zen-Meister über seinen geknickt vor ihm sitzenden Schüler: “Er kratzt sich … und wartet bis es juckt”. Dieses ‘vorauseilen wollen’ ist kausal FALSCH und SCHÄDLICH! Es hat auch nichts mit dem guten ‘Vorsorge treffen’ zu tun.
2.) “… flogen zwei Flugzeuge in das World Trade Center in New York”. Nein es flogen nie zwei Flugzeuge in die tower: Siehe “September Clues”, http://video.google.com/videoplay?docid=-6407548186293238834 , oder deutsch: http://www.youtube.com/view_play_list?p=F67A86F2F1B5C3AD und ”SouthTowerAnomalies III ” ( http://www.youtube.com/watch?v=rh7cKDXnS_s ).
Und dann die weiteren Videos:
Epilogue: http://www.youtube.com/watch?v=5BvmdWAIs14 ,
Amateur Part 1: http://www.youtube.com/watch?v=qbYAV5fCGiM&feature=related ,
Amateur Part 2: http://www.youtube.com/watch?v=yjQmxS-DpyM&feature=related ,
Amateur Part 3: http://www.youtube.com/watch?v=vI3ZpLuz3ts&feature=related .
Oder die gefälschte Rauchfahne der towers: http://www.youtube.com/watch?v=4rSyXcD5w08&feature=related
Auch die Bilder der angeblichen Mondlandungen sind gefälscht: http://www.aulis.com/jackstudies_index1.html .
Das soll heißen: Die US-Diktatur benutzt Fälschung und Täuschung der Öffentlichkeit in einem Maße, wie keine andere Nation der Welt. Auch dies ist letztlich eine SCHWÄCHE!
28. Mai 2011 at 22:53
Eine scharfe und korrekte Analyse. Danke für Deine Leistung.
Deine intensive Arbeit ist für die Freiheit der Meinungsäusserung sehr wichtig. Schade nur, dass viele Menschen vor freiem Denken angst haben, so auch vor denen die ihre kritischen Gedanken frei äussern.
So wie Chinas Gravitation die “einzige Weltmacht” aus grossen Teilen der Welt verscheucht, so hoffe ich, dass auch die käuflichen und gelenkten Medien (Murdoch, Springer, Holzbrinck etc.) erodieren und “aus den Seiten der Geschichte verschwinden werden”.
In diesem Sinne machs gut
Nebularis
28. Mai 2011 at 23:11
@almabu
Ja, die USA sind nach wie vor brandgefährlich. Dass die dort herrschenden Endzeitsekten Armaggedon sehen und durchdrehen, ist eine reale Gefahr. China versucht die Gefahr neben Rüstung damit zu minimieren, Konfrontationen mit den USA aus dem Weg zu gehen, wo immer das irgendwie möglich ist.
Trotzdem scheuen die USA sich aber, China frontal anzugreifen wie sie das mit dem Irak gemacht haben und die NATO gerade mit Libyen macht. China ist abgesehen von der inzwischen ganz passablen Bewaffnung einfach zu groß und zu bevölkerungsreich, um es besetzen zu können. Deshalb probieren die USA, China an der Peripherie zu knacken, wie z.B. mit Tibet, Uiguren und Taiwan. Außerdem ist es für die USA recht schwierig, Duck auf China aufzubauen. Hillary Clinton hat den Grund dafür recht treffend benannt, als Australien wollte, dass die USA richtig Druck auf China machen: “How do you get tough on your banker?”
@Sepp
Das China noch 20 Jahre braucht, bis es den USA ebenbürtig ist, hat Goldman Sachs 2007 auch gesagt. Die USA waren sehr zufrieden damit, sich gut zu fühlen und noch 20 Jahre Zeit zu haben, China irgendwie kleinzubekommen. China war mit der Prognose offenbar auch sehr zufrieden. Die Prognose nimmt den USA den Druck, dass sie unbedingt jetzt sofort drastische Maßnahmen wie Handelsboykotte und Krieg gegen China einleiten müssen, um ihre Stellung als einzige Supermacht zu behaupten. Die Prognose ermöglicht es den USA, zu denken, heute wissen wir nicht so recht, was wir gegen China tun sollen, aber in fünf oder zehn Jahren ist unser Plan sicher fertig, wie wir China klein bekommen.
Doch die von allen Seiten akzeptierte bequeme Prognose ist nicht plausibel. China wird, wie ich hier zeige, vermutlich schon in etwa fünf Jahren wirtschaftlich und geostrategisch an den USA vorbeiziehen. Die militärische Stärke folgt der Wirtschaft und den diesbezüglichen Bündnissen auf dem Fuß.
Wenn die USA so um 2016 herum bemerken, dass China sie abgehängt hat, ist es für sie zu spät, da drastische Schritte gegen zu unternehmen. Die USA sind in der Situation, nicht mehr führende Weltmacht zu sein, hilflos und dupiert.
Für China ist die Situation dann hingegen sehr bequem. Die Regierung kann sich hinstellen und verkünden:
“Eigentlich hatten wir gedacht, den USA erst 2030 ebenbürtig zu sein. Aufgrund der großen Leistungen des Volkes und der klugen politischen Führung sind wir nun schon 15 Jahre früher ebenbürtig und damit sehr zufrieden.”
China hat damit absolut kein Problem, wenn sich die langfritige Prognose in ein paar Jahren als nicht optimistisch genug erweist.
29. Mai 2011 at 06:07
“China hat damit absolut kein Problem, wenn sich die langfritige Prognose in ein paar Jahren als nicht optimistisch genug erweist.” – Das stimmt. Ich hätte damit auch kein Problem.
29. Mai 2011 at 06:29
Einen direkten Angriff der USA auf China wird es hoffentlich nie geben. Er müsste praktisch von Beginn an nuklear erfolgen und hätte fatale Folgen für die ganze Welt, nicht nur für den Angegriffenen. Eher sind Stellvertreter-Krieg in Pakistan, Indien oder Korea denkbar. “Ofen-Konflikte”, bei denen über einen längeren Zeitraum ständig Brennmaterial nachgelegt werden kann und die Rüstungsindustrie kapazitätsmäßig “liefern” kann ohne lieferunfähig zu werden. Dazu müsste Russland sich zumindest neutral oder gar als Allierter der USA verhalten. Eigentlich hoffe ich, dass die enge, symbiotische wirtschaftliche Verzahnung Chinas und der USA einen Krieg verhindern werden? Eine ganz andere Frage ist, wie Europas Rolle in einer von China dominierten Welt sein wird? Welchen Einfluss hätte das auf unser Leben?
29. Mai 2011 at 11:34
@almabu
“Eine ganz andere Frage ist, wie Europas Rolle in einer von China dominierten Welt sein wird? Welchen Einfluss hätte das auf unser Leben?”
Jetzt mal nicht so weichlich und defätistisch, almabu. Da würde der Zusammenbruch des US-israelischen Imperium Europa die Chance geben, endlich wieder frei zu sein. Und da deuten Sie schon gleich wieder eine neue Vasallen-Rolle Europas an – nun unter dem neuen chinesischen Reich!
Soooo toll ist die wirtschaftliche Gesundung Chinas ja nun auch nicht. Im Gegenteil: Wieso hat China nicht schon vor 20 Jahren vor 30, 40, 100, 300, 1000 Jahren den Platz eingenommen, der ihm eigentlich gebührt (ich bin ein Fan der chinesischen “Klassik” – und daß China bis heute so herumdümpelt überrascht mich geradezu!)?
Und so wie hier über China gejubelt wird, müßte man dann ja wohl auch über Brasilien jubeln oder über Indien. Aber wie scheußlich sieht es z. b. in Brasilien aus (Favelas, Kriminalität, Korruption, auch die Gesetze gegen das Abhacken des Urwalds werden derzeit außer Kraft gesetzt). Und ähnliches könnte man über die VR China sagen. Irgendwie ist die VR China nur eine Mischung aus Nord- und Südkorea zugleich. Wahrscheinlich ist das durchschnittliche Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt aller Nord- und Südkoreaner zusammen immer noch(!) höher als das Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt der VR China. Und sogar Südkorea oder Taiwan haben bis heute(!) einen beeindruckenderen Wirtshaftsaufstieg vorzuweisen als die VR China.
Unsere Faszination über den wirtschaftlichen Fortgang in China beruht allein darauf, daß wir uns unter der Vergewaltigungsmaschine des US-israelischen Imperiums, dem giftigen LIBERALISMUS, seit Helmut Schmidts Zeiten zurückentwickeln. Sogar dieser primitive Trick, die Bürger mit Terrorhysterie von den Verbrechen der Herrschenden abzulenken wird schon seit den 70er Helmuth Schmidt-Zeiten praktiziert. Ich könnte mich prügeln, daß mir erst seit 1 oder 2 Jahren klar ist, daß Verena Becker selbstverständlich eine Verfassungsschutz-Mitarbeiterin war. Wieso war mit das nicht schon in den 70ern Klar ??? Helmut Schmidts Traumziel vom “gläsernen Menschen” war doch deutlich genug!!!
Seit den 70er Jahren entwickelt sich Westeuropa zurück (und dazu brauche ich keine Wirtschaftszahlen, sondern ich muß mich nur an die Fröhlichkeit, die Solidarität und den Umgang der Bürger in den 60er und 70er Jahren erinnern und mir dann die heutigen BRD-Bürger ansehen.
Eine Befreiung von der US-israelischen Unterdrückung und von deren giftigem “Liberalismus” wird zu einem dynamischen aufblühen Europas führen. Und mit “Europa” meine ich GANZ Europa – also alle Bürger der europäischen Länder zwischen Wladiwostok und Thule.
Echte dynamische “Aufstiege” von Ländern sehen anders aus. Ihnen liegt “Straffheit” zugrunde. Dabei danke ich an den Aufstieg der einst unbedeutenden etruskischen Stadt “Roma”; an die ersten arabischen Jahrhunderte ab 700 n. Chr.; an England seit Elisabeth I; an die Niederlande ab ca. 1600 n. Chr.; an die “Sandbüchse des Reiches” Brandenburg-Preußen ab ca. 1700 n Chr.
Alle diese Merkmale die wir bei den historisch erfolgreichen Reichen sehen, zeigen weder die VR China, noch Indien, noch Brasilien.
29. Mai 2011 at 12:09
“…Jetzt mal nicht so weichlich und defätistisch, almabu. Da würde der Zusammenbruch des US-israelischen Imperium Europa die Chance geben, endlich wieder frei zu sein. Und da deuten Sie schon gleich wieder eine neue Vasallen-Rolle Europas an – nun unter dem neuen chinesischen Reich!”
Donnerwetter, so hab’ ich mich ja noch nie gesehen, man lernt halt nie aus
)
Richtig ist, dass kein Land ausser den USA derzeit einen so klaren Herrschaftsanspruch formuliert auf der Welt. Die USA kontrollieren Europa und dessen Währung, daran kann es wohl keinen Zweifel geben. Was die unterstellte Bindestrich-Verbindung “US-israelisch” betrifft, teile ich diese Ansicht nicht! Das rührt von einem nationalen Denkansatz und ist objektiv falsch. Betrachtet man die Problematik gesellschaftlich, dann gibt es in der Tat Oberschichten in den USA und zumindest dem gesamten Westen, die gemeinsame Interessen vertreten und durchsetzen. Das betrifft AUCH Israel genau wie Deutschland. Es trifft wohl sogar auf aussereuropäische, afrikanische und asiatische Länder zumindest bedingt zu, aber das wird weniger kommuniziert. Was den zerstrittenen Sauhaufen Europa betrifft, begann der im selben Moment auseinanderzufallen als der äussere Druck durch den Warschauer Pakt entfiel und die USA den Laden als Konkurrenten zu begreifen begannen. Eine Vasallenperspektive erscheint unter dieser Prämisse zumindest nicht weit hergeholt?
29. Mai 2011 at 12:11
Jörg:
Wenn die USA ihren Einfluss auf Europa verlieren sollten, aber in Deutschland immer noch die Deutsche Bank, Bertelsmann etc. das Sagen haben, würde sich nicht viel zum Besseren geändert haben.
29. Mai 2011 at 15:45
Ich kann auf Basis der Handelsströme eine Prognose für Europa abgeben.
1. Europa wird sich trotz der gegenwärtig an den Rändern zu beobachtenden Auflösungserscheinungen (Griechenland, Portugal, Spanien) trotzdem weiter in Richtung eines Blocks integrieren. Die Handesströme zwischen den EU-Ländern sind sehr groß und sie wachsen weiter. Hier die Zahlen für Deutschlands Export 2010:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft_Deutschlands#Zahlen
Es ist sehr eindeutig, dass da die EU auf Basis der deutsch-französischen Achse die erste Geige spielt, USA, China, Russland und Türkei sind auch wichtig, aber Europa kommt zuerst. Die wirtschaftliche Gravitationskraft von China und die Handelsströme mit den USA sind in Europa viel zu klein, um da gegenüber der europäischen Integration entscheidende Wirkung zu entfalten. Bei den Importen und anderen EU-Ländern sieht es ähnlich aus. Prognose: auch wenn es weiter knackt im europäischen Gebälk, es wird in Europa trotzdem weiter gehen mit der Bildung eines wirtschaftlichen und politischen Blocks Europa.
2. Darüber, in welche Richtung sich die außenpolitische Ausrichtung des Blocks Europa verändert wird, gibt die Entwicklung der Handelsströme auch klaren Aufschluss: China und Russland gewinnen für Europa an Bedeutung, und die USA verlieren an Bedeutung. Japan hat in den letzten 10 Jahren in der EU bereits dramatisch an Bedeutung verloren.
Die Handelsströme der EU mit Nicht-EU-Ländern und deren Entwicklung 2000 – 2009 lassen sich hier finden:
http://www.eds-destatis.de/de/downloads/sif/sf_10_028.pdf
2010 ist hier:
http://trade.ec.europa.eu/doclib/html/147269.htm
Die Entwicklung der Handelsbeziehungen zur USA, die der wichtigste Handelspartner der EU sind, verlief in den letzten 10 Jahren insgesamt seitwärts, da gab es weder eine signifikante Zunahme noch eine Abnahme. Es ist für die Zukunft angesichts der schlechten Wachstumsperspektiven der USA auch nicht zu erkennen, dass sich das demnächst steigert. Im Gegenteil, wenn die USA einen Crash erleben, dann wird das eher weniger werden.
Japan, das 2000 noch der zweitwichtigste Handelspartner der EU war, hat diesen Bedeutungsverlust in der EU bereits hinter sich und ist nun nur noch unter ferner liefen auf Platz 6. Auch wenn die EU ud Japan demnächst wie gerade angekündigt ein Freihandelsabkommen schließen werden, wird sich daran vermutlich wenig ändern, denn es fehlt zur Entwicklung der Beziehungen die Wachstumsperspektive. Wie in den USA so verläuft auch in Japan das Wirtschaftswachstum, wenn überhaupt, dann im Schneckentempo. Die Wachstumsmärkte in Osteuropa wurden hingegen von Deutschland, Frankreich und Italien weitgehend erschlossen, so dass Japan es auch mit Freihandelsabkommen schwer haben dürfte, da entscheidend rein zu kommen.
Die Handelsbeziehungen der EU zu China und Russland haben sich dagegen in den letzten 10 Jahren vervielfacht, so dass der EU-Handel mit China 2010 schon nahezu gleichauf mit dem der USA liegt und der Handel mit Russland schon mehr als halb so groß wie der mit den USA ist. Sowohl im Handel mit China als auch im Handel mit Russland sind auch für die Zukunft hohe Wachstumsperspektiven zu erkennen. China wird mit einem BIP-Wachstum von ca 7 – 10% auch weiterhin stark steigende Handelsströme mit der EU generieren und aller Voraussicht nach deshalb schon im Jahr 2011 die USA als größter Handelspartner der EU ablösen. Russland investiert strategisch in den Handel mit der EU – zum Beispiel mit Gaspipelines -, und hat selbst ein ganz ordentlcihes Wachstum und viel technologischen Nachholbedarf, sodass auch im Handel mit Russland aller Voraussicht nach Steigerungen geben wird. Ähnliche Überlegungen führen auch zu der ziemlich sicheren Prognose, dass der Handel der EU mit der Türkei, Indien udn Brasilien weiter zunehmen wird – wennglleich auch von einem viel geringeren Niveau aus.
Insgesamt führen die beiden Prognosen “Integration Europas zu einem Block wird weitergehen” und “USA erleiden in Europa Bedeutungsverlust zu Gunsten Chinas und Russlands” zu der Schlussfolgerung, dass sich Europa insgesamt in Zukunft politisch weg von den USA in Richtung BRICS bewegen wird. Aufgrund der enormen wirtschaftlichen Größe der EU ist dabei jedoch zu erwarten, dass dieser Prozess der politischen Umorientierung Europas hin zu den BRICS nur sehr langsam vonstatten gehen wird und aufgrund der nach wie vor nur lückenhaften Integration Europas längst nicht überall einheitlich vonstatten gehen wird. Es wird vermutlich noch eine Weile so weitergehen, dass einige EU-Länder gemeinsam mit den USA Kriege zur Unterwerfung anderer Länder führen und andere nicht. Es werden mit der Zeit aber wohl immer weniger EU-Länder werden, die das tun.
Für die Menschen in Europa bedeutet dies, dass die geopolitischen Veränderungen in der Welt in Europa nur sehr langsam wirken. Für die Menschen in Europa ändert sich im Gegensatz zu Milliarden anderen Menschen durch die rasche geopolitische Machtverschiebung hin zu China also erstmal wenig.
Auf Hilfe dabei, sich von den übelste Eliten Europas zu trennen, dürfen die Menschen in Europa ohnehin nicht hoffen. Das müssen die Menschen selber machen. China hat die Politik, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, und es ist nicht absehbar, dass China diese erfolgreiche Politik in näherer oder mittlerer Zukunft ändern wird.
30. Mai 2011 at 08:45
@almabu
Zitat:
“Was die unterstellte Bindestrich-Verbindung „US-israelisch“ betrifft, teile ich diese Ansicht nicht! Das rührt von einem nationalen Denkansatz und ist objektiv falsch.”
Antwort:
Nein, nein: Gerade ich habe keinen “nationalen Denkansatz”. Nur teile ich eben nicht ihre rassische Sichtweise beim Wort “Jude” oder “Israel”.
Ich denke ‘preußisch-fritzisch’ und ein bi nein Anhänger der Aufklärung. Deshalb lehne den “nationalen Denkansatz schon aus logischen Gründen ab. Netterweise bringt meine Sichtweise der Georg Schramm in seinem politischen Sketch “Bunter Abend für Revolutionäre” (noch zu Helmuth Kohls Zeiten, anläßlich der 150 Jahrfeier der Paulskirchen -Revolution): http://www.youtube.com/watch?v=eSHbF9l27SY ganz gut unters “Volk” (gruseliges Wort!). Schramm irrt nur, wenn er Friedrich für homosexuell oder gar für einen Päderasten hält (man kann beweisen, daß er das nicht war). Auch stellt er Bismarck zu positiv dar.
Ihr Problem, almabu, ist das, was ich Ihnen schon einmal geschrieben hatte und hier wiederhole:
“Es geht mir darum, daß ihr ewig-gestrigen Deutschen endlich einmal lernt, daß es nicht darauf ankommt, das richtige ‘ticket’ oder das richtige ‘Pappschild’ mit hochmütiger/selbstgerechter Mine hochzuhalten. Vielmehr kommt es darauf an, sich einer Sache einmal wirklich anzunehmen (“aufarbeiten”). Denn seit meinen 60er Jahren ist die Welt nicht besser, sondern schlechter geworden!
Und gerade Ihr Deutschen tragen daran (wieder einmal) eine erhebliche Schuld!”
31. Mai 2011 at 15:59
“Zeitbombe China” – http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/brigitte-hamann/zeitbombe-china.html;jsessionid=6DB509C9D3AFC42FDC2807D514EEAFBF
31. Mai 2011 at 20:04
@Jörg
Die beiden Ökonomender SG sehen das mit China in Teilen schon ganz richtig:
Achtung: Wer ist hier “Uns”, “die Weltwirtschaft”? Richtig, das sind diejenigen, die “risikobehaftete Anlagen” zum Geldverdienen besitzen.
Die beiden betrachten China aus der Sicht von Großbanken und Fond-Spekulanten, und meinen völlig zu recht, die werden sich in China auch mal blutige Nasen holen – zum Beispiel, wenn China die Immo-Überbewertung richtigstellt. Das könnte für Bankster der westlichen Welt ziemlich teuer werden.
China allerdings wird vermutlich ziemlich gut bei rauskommen, denn China hat riesige Devisenreserven (ca. 3000 Mrd USD) und kann damit wie schon 2009, wo China mit 9.0% Wachstum durch die “Weltfinanzkrise” gestampft ist, einfach wieder großangelegte Konjunkturprogramme finanzieren. Problematisch ist das Schmelzen der chinesischen Immobilienbllase eher für die USA und die EU (aka “die Weltwirtschaft”), weil die westlichen Schuldenstaaten solche Reserven wie China nicht haben, sondern im Gegenteil schon jetzt viel zu viele Schulden.
Was die beiden SG-Ökonomen tunlichst verschweigen, ist das die Blase in China vor allem getrieben wird durch amerikanische Gelddruckerei. Es ist, wie die chinesische Regierung nicht müde wird, zu betonen, gerade die überschüssige US-Liquidität, die in China zu Spekulationsblasen führt. China geht mit dem Druck der Liquidität aber klug um, exportiert einfach mehr und sammelt viele der frisch gedruckten US-Dollars als Staatsreserve, so dass die USA die chinesische Wirtschaft nicht kaufen und zerstören können. Überschüssige Liquidität leitet China in den Immo-Sektor, nicht gerade ideal, aber besser als in Militär usw wie die USA das machen.
Regelrecht lustig ist, dass die SG-Ökonomen von China fordern, die Zinsen krass raufzusetzen, um das chinesische Wachstum abzuwürgen und westliche Finanzhaie zuversichtlicher zu stimmen. Es ist genau was die USA von China unter dem Vorwand der chinesischen Handesbilanzüberschüsse fordern, damit die USA sich wie gewohnt per Inflation entschulden kann.
China fordert hingegen, dass die USA mit dem Geldrucken aufhört und die Zinsen hebt, und sie auf diese Weise ihre Handelsbilanz fair und nicht zulasten des Rests der Welt in Ordnung bringen.
China sitzt am längeren Hebel, macht die Überschüsse und bestimmt damit die Wechselkurse nach belieben. China ist damit gar nicht unzufrieden, dass mit den niedrigen Zinsen und Wechselkursen immer mehr Technologie nach China geschwemmt wird.
Ich denke, wenn China keine Dollar-Anleihen mehr hat, wird China die eigene Blase anstechen und dann genau wie Goldman Sachs in den USA erklären, es ist unsere Blase, aber euer Verlust.
China wird sich damit aber wohl noch etwas Zeit lassen, bis China alles an Technologie und Produktions-Know-How hat, was China will. Im Moment steht da beispielsweise noch Dinge wie ziviler Flugzeugbau und Rüstungs-Know-How auf der Liste der nach China aufzusaugenden Technologien.
Brigitte Hamann passt mit Unfug wie “Nahrungsergänzungsmitteln” und Haarwachstum prima zum Kopp-Verlag. Was sie zum Wirtschaftswachstum Chinas schreibt, ist genauso dünn. Sie vergisst bei ihrer Negativprognose mal eben, dass China 3.000 Mrd Dollar Reserven und einen großen Teil der Produktionsanlagen der Welt hat. Warum sie so was zusammenschustert, weiß ich nicht. Vielleicht wird es gut bezahlt oder sie kann Kommunisten einfach nicht besonders leiden, was weiß ich. Interessiert ich auch nicht besonders. Die Artikel vom Udo-Muslimkritiker und Ufo-Verlag des Polizisten Kopp sind mir zu primitiv, um die ausführlich zu kommentieren.
1. Juni 2011 at 00:18
Also …. die Welt ist schon wunderlich, wenn man genau hinsieht:
Jetzt erscheint also auf Xinhuanet der Artikel “ITALY PLEDGES HUGE AID TO LIBYAN OPPOSITION, OPENS CONSULATE” – siehe: http://news.xinhuanet.com/english2010/world/2011-05/31/c_13903752.htm .
Und da ist dann dieses Foto mit dem Putschisten “Mustafa Abdul Jalil (L), Chairman of the National Transitional Council (NTC)” (was das “(L)” hinter dem Namen Jalil soll weiß ich auch nicht) “… meets with visiting Italian Foreign Minister Franco Frattini in Benghazi”.
Und jetzt habe ich das Foto mal vergrößert und mit meinem Bildprogramm scharf gestellt (“sharpen”): http://s1.directupload.net/images/110601/h8n9ls58.jpg .
Seht ihr diesen Plastik-Schleim der sich auf die Hand des Italieners und auf die Hand des Putschisten legt? Das ist nie und nimmer ein Originalfoto!
Da hat wohl ein kleiner zorniger Chinese – von der Redaktion unbemerkt (sag’s also nicht weiter!) per Photoshop seine Verachtung kundgetan.
Konfuzius – oder Buddha, oder Carlo Marx – segne ihn!
6. Juni 2011 at 01:53
[...] bald als größte Wirtschaftsnation der Welt überholen werden, so könnte das international also die wirtschaftliche und militärische Gravitationskraft Chinas nochmals verstärken und das Ende des US-Imperiums dadurch beschleunigen, dass sich andere Länder [...]
6. Juni 2011 at 01:53
[...] Wirtschaftsnation der Welt überholen werden, so könnte das international also die wirtschaftliche und militärische Gravitationskraft Chinas nochmals verstärken und das Ende des US-Imperiums dadurch beschleunigen, dass sich andere [...]
23. April 2012 at 23:49
[...] fest der Allianz der US-Kolonialherren zugerechnet werden, könnten den USA aufgrund der Anziehungskraft der schnellwachsenden Wirtschaft der BRICS-Staaten über kurz oder lang von der Stange gehen. Das betrifft nicht nur problematische Vasallen wie [...]